Die Beiträge dieser Blogreihe sollen einige Lehren und Lektionen für AutorInnen sammeln und ausführlich besprechen. Ziel soll es hierbei sein, eine Auflistung zu erarbeiten, die vor typischen Fehlern und Fallen des AutorInnendaseins warnt und somit einen sicheren Weg präsentiert, nicht alle sumpfigen Pfade durchlaufen zu müssen, die bereits viele andere AutorInnen vorher durchquert haben. Die Auswahl an Lektionen, die sich sowohl an AnfängerInnen als auch erfahrene Profis richten, ist hierbei nicht nach bestimmten Themengebieten geordnet, sondern soll jederzeit ein Potpourri an Lektionen darstellen!

Viel Vergnügen!

 

Hier geht es zum ersten Teil mit den Lektionen von Beitrag #1: https://svenhensel.de/hilfreiche-lektionen-fuer-autoren-1/

 

Der erste Entwurf darf schlecht sein!

Von dem ersten Wort bis zur letzten Seite eines Buches kann es — je nach Genre und Thematik — Monate, vielleicht sogar Jahre, dauern. Schreibprozesse sind kompliziert und ebenso wie die Geschichte immer weiter anwächst, wachsen auch wir AutorInnen mit ihr, indem wir durch bewusste wie unbewusste Lehren beim Schreiben beeinflusst werden. An der Ziellinie dieses langwierigen Prozesses existiert ein erster, fertiger Entwurf, der erstaunlich viel Ähnlichkeit mit einem Buch, aber in den meisten Fällen nicht deckungsgleich mit der Version sein wird, die später einmal LeserInnen käuflich erwerben können. Aus diesem Grund ist es völlig in in Ordnung, wenn man nach dem Beenden des ersten Entwurfes eines neuen Buches das Gefühl hat, die Qualität sei noch nicht in der Form gegeben, die man von sich oder dem eigenen Werk erwartet hatte. Immerhin ist es ein erster Entwurf — nicht mehr und nicht weniger.

Manchmal haben AutorInnen jedoch große Probleme damit, das noch ungeschliffene Niveau dieses ersten Entwurfes nur als einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Ziel zu akzeptieren. Selbstzweifel überfallen einen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sinkt, je mehr Stellen man im eigenen Text findet, die man unbedingt verbessern will. Irgendwann wird die Liste an zu verbessernder Elemente derart lang, dass man beinahe davor kapitulieren möchte, sich fragt, ob man das Schreiben nicht gleich lassen soll und am liebsten die “Löschen”-Taste nicht mehr loslassen will.

Das ist eine nur allzu nachvollziehbare Gefühlslage, aber es besteht kein Grund, sich von der noch schwankenden Qualität eines Entwurfes derart runterziehen zu lassen, da dies nur die Grundlage ist, aus der das fertige Buch entwachsen wird. Empfehlenswerter ist folgende Sichtweise: Als AutorInnen vereinigen wir Handwerk und Kunst in einem, auch wenn jeder von uns eine unterschiedliche Vorstellungen hat, welche von beiden Seiten überwiegt. Nichtsdestotrotz ähnelt das Schreiben des ersten Entwurfes der Kunst des Bildhauers, der aus einem wenig aufregenden Block Stein eine Skulptur erschafft, indem in mehreren Durchgängen Schicht um Schicht des eigentlichen Werkes freigelegt und Unebenheiten ausgebessert werden.

Erst wenn jede Ecke, jede Rundung, jeder einzelne abstehende Brösel beseitig wurde, treten Bildhauer zurück und können zufrieden über ihr Werk sein. Bei AutorInnen ist das ähnlich, nur übernehmen mehrfache Überarbeitungsrunden, Korrektorate, Lektorate und auch erste TestleserInnen diese Aufgabe. Sie alle werden ihre Spuren am ersten Entwurf hinterlassen, bis am Ende ein fertiges Produkt entstanden ist, mit dem auch wir AutorInnen zufrieden sein können. Der erste Entwurf darf schlecht sein und seine Mängel haben, wichtig ist nur, diese mit der Zeit auch auszumerzen.

 

Folge Ratschlägen und Schreibtipps nicht blind!

Jeder von uns kennt das geflügelte Wort “viele Köche verderben den Brei”, aber was bedeutet das und was hat das mit Schreibtipps zu tun? Bei diesem Sprichwort geht es darum, dass jeder Koch einen eigenen Geschmack hat, eigene Vorlieben, Herangehensweisen und Ansprüche. Letztendlich würde jeder der Köche eine eigene Version anfertigen und zwar genau so, wie es für richtig gehalten wird beziehungsweise es dem eigenen Verständnis von gutem Essen entspricht. Ähnlich verhält es sich mit Ratschlägen beim Schreiben: es gibt eine unglaubliche Vielzahl an Tipps/Tricks und genauso viele Autoren, die alle auf der Suche nach dem einen richtigen Weg sind, der ihnen erklärt, wie man entweder überhaupt gut schreibt oder einzelne Schreibprobleme lösen könnte. Doch an dieser Stelle sollte man sich eingestehen: Es gibt nicht DIE EINE perfekte Sammlung mit Tipps für das jeweilige Problem.

Würde man auf Autorentreffen wie dem Litcamp oder auf Messen wie der kommenden Frankfurter Buchmesse 100 Autoren befragen, würde man mit Sicherheit beinahe ebenso viele Möglichkeiten erhalten, wie sie selbst einen guten Schreibstil definieren oder Schreibprobleme lösen. Aber wäre man nach diesen vielen Antworten nicht erschlagen und noch mehr verunsichert, welche Route für sich selbst am besten ist? Und besteht durch diese Verunsicherung nicht die Gefahr,  noch mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten einzubüßen, weil man so viele Meinungen gehört hat, die allesamt unterschiedliche Lösungen/Herangehensweisen vorschlagen?

Es ist nicht verwerflich, sich bei Problemen Hilfe in Form von Ratgebern/Schreibtipps helfen zu lassen und sich zu orientieren, wie andere AutorInnen arbeiten. Das sollte aber maximal als Inspiration dienen und keinesfalls als Pfad, den man unreflektiert hinterher läuft. Schreiben und das Erfinden von Geschichten ist ein subjektiver, individueller Prozess und ähnlich wie andere euch nicht vorschreiben können oder sollten, was ihr zu träumen habt, sind auch die Visionen eurer Charaktere völlig in euren Händen. Schreibtipps können euch nicht das Schreiben oder existierende Unsicherheiten gänzlich abnehmen.

Nur durch viel Übung, viel Schreiben, Feedback durch ehrliche Testleser und den Willen, sich nicht nur stetig zu verbessern, sondern auch den eigenen Horizont zu erweitern, kann man den eigenen Weg finden und die innere Unsicherheit verringern, wenn nicht sogar gänzlich hinter sich lassen. Nur die Theorie zu kennen, wie dutzende Autoren Schreibprozesse angehen, lassen die eigenen nicht leichter werden. Man muss selbst herausfinden, welcher Weg der Beste für sich selbst ist. Mit anderen Worten: man muss selbst lernen, wie der Brei einem am besten schmeckt und wie er am besten zum eigenen Geschmack passt.

 

Lass dich nicht von Neid zerfressen!

Gründe, um auf KollegInnen neidisch sein, gibt es viele: Bücher erklimmen die Büchercharts, während die eigenen Bücher kaum Beachtung finden, AutorInnen halten stolz ihre Verträge mit Agenturen oder Verlagen in die Kamera, während man selbst keine Antwort oder Absagen erhält, SchreiberInnen erzählen freudig, wie gut sie in ihren Werken vorankommen, während man selbst nur auf der Stelle tritt, begeisterte TestleserInnen loben die Manuskripte von anderen AutorInnen in die Höhe, während man sich quälen musste, Menschen für die eigenen Geschichte zu begeistern und dann vernichtende Kritiken bekam, SchreiberInnen schließen Freundschaften und unterstützen sich gegenseitig, während man selbst keinen Zugang zur AutorInnen-Community findet, die Inhalte anderer AutorInnen werden vielfach geteilt, während man die Anzahl an Menschen, die sich für die Inhalte interessieren an einer Hand anzählen kann, usw.

Alle diese Dinge können am eigenen Selbstwertgefühl nagen und möglicherweise eine negative Grundstimmung aufkeimen lassen, was schädlich für das große Miteinander sein kann. Schlimmstenfalls wird man von diesen negativen, manches Mal sogar schmerzhaften, Gefühlen übermannt und lässt ihm in den sozialen Kanälen freien Lauf, indem man zu lästern beginnt, hämische Kommentare abgibt, die Leistung anderer herabwürdigt oder anderen AutorInnen das Talent abspricht. Und wenn das noch nicht reicht, folgen gehässige Aktionen wie negative Bewertungen, anonyme Kommentare auf deren Webseiten und vieles mehr. Neid kann so manche düsteren Dämonen in Menschen wecken, die nur eines sind: schädlich, sowohl für sich selbst als auch für andere.

Aus diesem Grund sollte man einsehen, dass jede Sekunde Neid verschwendete Energie ist, die man auch in die eigenen Projekte und den eigenen Weg zum Erfolg hätte stecken können. Es bringt nichts, sich zu sehr darauf zu versteifen, welchen Erfolg andere Menschen haben oder sich die Frage zu stellen, wie sehr sie ihn verdient haben. Erfolg ist keine Frage von Gerechtigkeit, sondern von Einsatz, Motivation, Können und dem richtigen Timing. Daher lass dich nicht von eventuellem Neid zerfressen, der insbesondere zu Beginn der AutorInnenkarriere und den ersten Rückschlägen in diesem Bereich aufkommen kann. Arbeite lieber daran, dass demnächst andere AutorInnen dich und deinen Erfolg neidisch betrachten.

 

Vermeide ein Übermaß an Phrasen! 

Jeder kennt sie: Phrasen bei denen man schon beim bloßen Nennen mit den Augenrollen muss und schreiend davonrennen möchte. Das muss nicht einmal an den Worten selbst liegen, sondern an ihrem häufigen Gebrauch, dass sich gewisse Wort-Konstruktionen bereits negativ ins eigene Gedächtnis eingebrannt haben. Beispiele wie “und sie würden das noch bitter bereuen”, “wer zuletzt lacht, lacht am besten”, “irgendwo bellte ein Hund”, “Blut rauschte in seinen Ohren”,”ihm verschlug es den Atem”, “ging ihm durch Mark und Bein”, “und das sollte erst der Anfang sein”, “Schauer lief über den Rücken”, “Blut gefror in seinen Adern” und viele andere altbekannte Redewendungen findet man in vielen Büchern. Sie werden sogar so häufig gebraucht, dass sie in den meisten Fällen kaum mehr den gewünschten Effekt hervorbringen können, ebenso wie ein Witz, den man bereits dutzende Male hörte.

Aus diesem Grund sollte man als AutorIn versuchen, möglichst wenige von diesen typischen Konstrukten in den eigenen Texten und Büchern zu verwenden. Die Vorteile liegen auf der Hand: je mehr solcher Phrasen benutzt werden, umso häufiger kann es passieren, dass LeserInnen genervt die Augen rollen, weil sie schon zu oft gelesen haben wie z.B. Schauer über Rücken liefen. Dieses Gefühl führt automatisch zu einer Entfremdung und einer Distanzierung zum Text — LeserInnen werden schlicht für einen Moment aus dem Buch und damit aus der Welt gerissen.

Passiert das immer wieder, wird es schwerer, den Weg zurück zu finden und das kann die Bewertung des Buches und das Lesevergnügen negativ beeinflussen. Immerhin muss man sich vor Augen führen, dass sie diese Phrasen nicht nur in der Realität dutzende Male bereits hörten, sondern sie auch vielfach gelesen oder in Filmen erlebten. Auf diese Art entsteht eine Sättigung bestimmter Sätze, die zwar nicht bei allen LeserInnen zu Augenrollen führen wird, aber man erschafft ein unnötiges Risiko, indem man sprachlichen Konventionen zu oft folgt.

Außerdem kann man LeserInnen mit einem Buch ohne viele dieser Standardphrasen die Freude machen, dass sich das Buch frisch und völlig neu anfühlen wird. Es wird dem Lesegenuss zuträglich sein, wenn man sich als AutorIn nicht nur bemüht, eine neue Geschichte zu erzählen, sondern auch sprachlich möglichst individuell vorgeht. Dabei ist es durchaus möglich — vielleicht sogar wünschenswert —wenn man mit dem Wissen und dem bisherigen Erfahrungsschatz der LeserInnen sprachlich spielt und sich die Phrasen nimmt, um individuelle Variationen daraus zu machen. Hauptsache man verschont die LeserInnen damit, zum hundertsten Male Standardsprüche vorgesetzt zu bekommen, durch die man nicht aus dem Brei der Masse heraussticht, sondern mitten hinein springt. Und wenn unsere Bücher eines sein sollen, dann doch, dass sie nicht so sind, wie jedes andere x-beliebige Buch, oder? Sie sollen besonders und einzigartig sein und die Vermeidung von Phrasen helfen dabei, dass LeserInnen einen positiven Eindruck vom Buch und den Bemühungen des Autors bzw. der AutorIn zu erhalten.

 

 

 

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