Dieser Blogbeitrag soll den Beginn einer immer mal wieder aufzugreifenden Reihe darstellen, in der Lehren und Lektionen für AutorInnen gesammelt und ausführlich besprochen werden. Ziel soll es hierbei sein, eine Sammlung zu erarbeiten, die vor typischen Fehlern und Fallen des AutorInnendaseins warnt und somit einen sicheren Weg präsentiert, nicht alle sumpfigen Pfade durchlaufen zu müssen, die bereits viele andere AutorInnen vorher durchquert haben. Die Auswahl an Lektionen, die sich sowohl an AnfängerInnen als auch erfahrene SchreiberInnen richten, ist hierbei nicht nach bestimmten Themengebieten geordnet, sondern soll jederzeit ein Potpourri an Problemzonen darstellen!

Viel Vergnügen!

 

1. Sieh Absagen als Motivation!

Jeder kennt es: Absagen nerven. Ob im Alltag, wenn man die ersehnte Wohnung nicht bekommt, für den Traumjob nicht auserwählt, aus der erhofften Liebe nichts wird oder wenn man sich als AutorIn bei Agenturen/Verlagen bewirbt, um das eigene Buch in guten Händen zu wissen. AutorInnen polieren hierfür ihre Bücher bis ins letzte Detail, schreiben Exposés, Lebensläufen und beschäftigen sich stundenlang damit, welche Formulierung wohl dazu führen würde, dass man keine Absage erhält. Dann schickt man die Mail bzw. den Brief mit einem möglichst individuellen Anschreiben ab und hofft viele Wochen auf eine positive Resonanz. Tief im Herzen überwiegt da sogar manches Mal die Überzeugung, dass die Zusage nur eine Frage des „wann“, nicht aber des „ob“ sein würde, immerhin hat man sein ganzes Herzblut in das Buch gelegt und so viel Zeit investiert, dass man überzeugt ist, hervorragende Arbeit geleistet zu haben.

Doch dann der Schock: entweder in Form einer Absage oder der vom Verlag bzw. der Agentur vorgegebene Zeitrahmen wird überschritten und es folgt die Gewissheit, dass die eigene Leistung nicht überzeugen konnte. Beide Varianten sind schmerzhaft und vereinen sich in dem Gefühl, jemand hätte das eigene Baby als nicht wertvoll genug angesehen und es keimen Selbstzweifel auf, die sich die Hand mit der Enttäuschung geben, die bereits ausgemalten Traumvorstellungen fürs Erste nicht erfüllt zu sehen.

Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, wenn sich AutorInnen entmutigen lassen, die eigenen Fähigkeiten hinterfragen und daran zweifeln, ob das geschriebene Buch etwas taugt. Dies kann eine ganze Kettenreaktion auslösen, die im schlimmsten Fall dazu führt, dass die Zweifel am eigenen Können die zukünftigen Schreibprozesse lähmen oder sie sogar zum völligen Stillstand bringen.

So nachvollziehbar es wäre, den AutorInnenkopf in den Sand zu stecken und im Erdboden zu versinken, zumal sich auch ein gewisses Gefühl von Scham breitmacht, ist sowohl der Abstieg in dieses emotionale Loch als auch der Aufstieg heraus auf Dauer zu mühevoll, als dass es sich lohnen würde, diese Tortur immer wieder auf sich zu nehmen. Jede neue Absage wird einen unerwartet treffen und dafür sorgen, dass alte Zweifel wieder aufkeimen, sodass man sich immer wieder in der Situation sehen wird, sich selbst auszubuddeln.

Sinniger wäre es daher, die sich aufbauende negative Energie in produktive Motivation umzuwandeln: anstatt niedergeschlagen zu sein und sich zu bemitleiden, sollte man alles daran setzen, dass die Verlage und Agenturen sich noch einmal ordentlich ärgern werden, euch und eure Bücher abgelehnt zu haben. Seht es von daher als euren Auftrag an, dass sie sich in der Zukunft an die Stirn fassen und sich fragen müssen: „Was hat uns damals nur geritten?“. Denkt daran, das auch viele der inzwischen weltbekannten Bestseller einmal abgelehnt wurden und es keinen Grund gibt, dass nicht auch ihr Reue bei Verlagen und Agenturen auslösen könnt, euch nicht unter Vertrag genommen zu haben. Hier einmal eine kleine Liste an Büchern, die zu Beginn ein ähnliches Schicksal erlitten wie eure Bücher:

– Die Farbe Lila

– Herr der Fliegen

– Farm der Tiere

– Der Alchemist

– Life of Pi

– Harry Potter

– Krieg der Welten

– The Great Gatsby

– Fänger im Roggen

– Der Pate

– Der DaVinci-Code

– Das Tagebuch der Anne Frank

– Carrie

Quelle: (Litrejections.com)

Manche der inzwischen weltberühmten AutorInnen haben ihre Absagebriefe sogar gesammelt, die ihr hier nachlesen könnt:

http://flavorwire.com/232203/famous-authors-harshest-rejection-letters/5

Bleibt also dran!

 

 

2. Du bist nicht allein!

Der Schreibprozess ist ein oftmals einsamer: zu einer beliebigen Tages- und auch Nachtzeit setzt man sich vor seinen Computer, Laptop oder sein Notizbuch, liest die letzten Sätze, die man von der vorherigen Schreibzeit zurückgelassen hat, wühlt im Gedächtnis, wie es noch einmal weitergehen sollte und macht sich an die Arbeit. Jedes Wort, jeder Satz, jedes Handlungselement und jeder Dialog findet den Weg ohne Umwege aus dem Kopf der AutorIn über die Hände in das Buch. Man liest sich die geschriebenen Inhalte immer mal wieder durch, hinterfragt deren Logik, versucht sich vorzustellen, wie jemand die Worte verstehen und empfinden würde, wenn man sie nicht selbst geschrieben hätte und versinkt dabei immer mehr in die eigene Geschichte.

Dieser Ablauf ist vielen AutorInnen nur allzu gut vertraut, auch wenn sich die einzelnen Elemente oder Herangehensweisen unterscheiden können. Eines haben diese Prozesse gemeinsam: das Schreiben ist eine private, einsame Zeit, in der man etwas erschafft, das später einmal von so vielen Menschenwie nur möglich gelesen und genossen werden soll. Dabei wird es aber nicht ausbleiben, dass der Weg zum eigenen Buch immer einer Gipfelbesteigung ähneln wird, bei der zahlreiche Schwierigkeiten auftreten können, die man bewältigen muss, um den eigenen Aufstieg fortsetzen zu können: Schreibblockaden, Logiklöcher, Motivationsprobleme, Abwesenheit der Kreativität — alles Gründe, die das Klettern zum eigenen Buch erschweren.

Aufgrund dessen, dass man das Buch aber eben in einem solchen privaten, alleinigen Prozess schreibt, kann leicht der Eindruck entstehen, man sei mit Problemen oder Hürden alleine. Insbesondere wenn man in sozialen Median vielen AutorInnen folgt und dort nur selten etwas von eben jenen Schattenseiten des Schreibens sieht, liegt der Gedanke nahe, dass die Schwierigkeiten durch die eigenen Fähigkeiten begründet wären und man möglicherweise einfach nicht so gut wie die KollegInnen sei.

Doch sei dir in einer Sache versichert: du bist nicht allein! Nahezu jedes Problem, das dir in deinem Schreiben begegnet, ist bereits anderen AutorInnen über den Weg gelaufen und auch sie mussten sich Mittel und Lösungen überlegen, wie sie aus diesem temporären Regenschauer trocken weiterkommen. Daher zweifle nicht an dir und deinen Fähigkeiten, nur weil dein Schreiben nicht so problemlos läuft, wie es bei anderen AutorInnen den Anschein hat. Im Gegenteil: raffe dich auf, ergreife die Initiative und sprich AutorInnen an oder stelle Fragen offen in deinen sozialen Kanälen. Du wirst sehen, wie aus dieser ehemaligen Schreib-Einsamkeit ein Gefühl von Gemeinschaft entsteht, da viele Autoren und AutorInnen dir zur Seite stehen und mit ihren Ratschlägen helfen werden.

 

3. Filtere Kritik!

Wer schreibt und sich dazu entschließt, die magische Grenze des privaten Tippens hin zur Veröffentlichung und damit zur Verbreitung der eigenen Geschichten zu überschreiten, wird neben den wunderbaren Augenblicken wie dem ersten verkaufen Buch, dem ersten Lob, der ersten Bitte um eine Unterschrift, u.v.m auch einer Sache begegnen: Kritik.

Kritik kann sowohl in Form von direkten Gesprächen, Kommentaren, Privatnachrichten, Rezensionen oder Bewertungen auf den üblichen Portalen vorgetragen werden und ist oft etwas, wovor man sich fürchtet, da — so gut die Worte auch gemeint sein mögen — sie tendenziell schmerzhaft sein kann. Immerhin schreibt man über Wochen und Monate an einem Werk, versucht alles zu tun, damit es perfekt erscheint und wenn ein Buch nicht vollkommen überzeugen konnte, entsteht leicht das Gefühl, man habe jemanden enttäuscht. Hieraus kann sich eine Spirale entwickeln, in der man sich, das eigene Können und das bereits Geschriebene derart kritisch hinterfragt, dass Selbstzweifel immer weiter wachsen und schlimmstenfalls  die zukünftige Kreativität behindern.

Aber zwei Dinge sollte man immer im Hinterkopf behalten: Nicht jedes Buch kann für alle LeserInnen geeignet sein und Kritik ist nicht gleich Kritik. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit, Kritik nicht sofort an sich heranzulassen, sondern sie sich von außen zu betrachten und abzuwiegen, worauf sie letztendlich basiert. Oftmals versteckt sich hinter kritischen Anmerkungen ein anderer Geschmack oder eine Erwartungshaltung, die aufgrund persönlicher Vorlieben von LeserInnen gefärbt war. In diesem Sinne ähneln Bücher den Gerichten in Restaurants, bei denen völlig klar ist, dass nicht jeder Gast jede Mahlzeit mögen wird und das vollkommen in Ordnung ist. Kritik aufgrund des persönlichen Geschmacks hat absolut seine Berechtigung und sollte auch unbedingt angehört werden. Gleichzeitig darf man aber nicht den Fehler machen, dies als Basis für die eigene Wahrnehmung als AutorIn zu nehmen, da man niemals in der Lage sein wird, die Vorlieben von allen LeserInnen zu bedienen und sich dadurch selbst vor eine unlösbare Aufgabe stellt, als würde man einem nie erreichbaren Stöckchen hinterherrennen.

Interessant wird es — und das ist der Moment, in dem man als AutorIn wirklich aufpassen sollte —, wenn die Kritik mal nicht auf persönlichen Vorlieben fußt, sondern Elemente auf der inhaltlichen, strukturellen oder sprachlichen Ebene kritisiert und so eine konstruktive Hilfe sein kann, sich weiter zu verbessern. Bei dieser Form von Kritik sollte man unbedingt für sich selbst hinterfragen, wie sehr das Gegenüber Recht hat und ob man den dadurch indirekt erhaltenen Tipp für kommende Werke benutzen kann. Das wäre dann genau die Art von Rückmeldung, die man als durch die inneren Filter an sich heranlassen sollte, denn nur durch solche Hinweise und Vorschläge, wie man anders vorgehen könnte, kann man als AutorIn wachsen und neue Schreibhöhen erreichen. Daher ist es wichtig, Kritik von außen ordentlich zu analysieren und zu reflektieren.

Diese Art der Filterung gilt aber natürlich auch für den Autor bzw. die Autorin selbst: Während des Schreibens und vor allem danach, ist es ratsam zum größten Kritiker des eigenen Buches zu werden, um es dann, in zahlreichen Überarbeitungsschritten immer besser machen zu können. Je intensiver diese Arbeit erfolgt, umso mehr Probleme wird man bemerken und auszubessern versuchen. Das kann viel Kraft kosten und zu einem Abfall an Motivation und Selbstvertrauen führen. Die Folge: man ertappt sich dabei, wie man sich selbst sagt, der ganze Text sei Mist und ähnlichen Übertreibungen. Doch genau hier muss man ansetzen: nicht nur ist es wichtig, sich in einem vernünftigen Rahmen mit der eigenen Leistung auseinanderzusetzen, sondern einmal zu ergründen, was genau die Probleme sind, die einen zu solchen Ausrufen zwingen. Liegt es am Plot, den Figuren, Charakterdesign, Logiklöchern, Spannungsbogen, Dramatik, etc.? Wenn man das einmal analysiert hat, kann man sich der Schwachpunkte annehmen und nicht in Selbstzweifeln zerfließen aufgrund von überzogener Kritik an sich und dem eigenen Schreiben. Aus diesem Grund sollte man auch bei Beschwerden am Text, die man von sich aus anstellt, immer mit einem Filter arbeiten, was das genaue Problem ist und wie man es in den Griff bekommt.

 

4. Verzweifle nicht an deinem ersten Entwurf!

Von dem ersten Wort bis zum letzten der finalen Seite eines Buches kann es — je nach Genre und Thematik — Monate, vielleicht sogar Jahre, dauern. Schreibprozesse sind kompliziert und ebenso wie die Geschichte immer weiter anwächst, wachsen auch wir AutorInnen mit ihr, indem wir durch unser Umfeld und bewusste wie unbewusste Lehren beim Schreiben beeinflusst werden. An der Ziellinie dieses Schreibens existiert dann ein erster, fertiger Entwurf, der erstaunlich viel Ähnlichkeit mit einem Buch aufweist, aber in den meisten Fällen nicht deckungsgleich mit der Version sein wird, die später einmal LeserInnen käuflich erwerben können.

Aus diesem Grund ist es völlig in in Ordnung, wenn man nach dem Beenden des ersten Entwurfes eines neuen Buches das Gefühl hat, die Qualität sei noch nicht in der Form gegeben, die man selbst erwartet oder im Kopf hatte. Viel zu oft haben AutorInnen große Probleme damit, das nicht-zufriedenstellende Niveau des eigenen Geschriebenen als nur einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Ziel zu akzeptieren. Zwar ist eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit erst einmal nichts Schlechtes, da dies zeigt, dass man den LeserInnen etwas Besseres zumuten möchte, aber leider wirkt sich dieser negative Ersteindruck auch leicht auf das eigene Selbstbewusstsein aus, sodass man alles nur noch schrecklich findet, von der Vielzahl an Baustellen überfordert ist und am liebsten die „Löschen“-Taste nicht mehr loslassen möchte.

Aber sieh es mal so: Als AutorInnen vereinigen wir Handwerk und Kunst in einem, auch wenn jeder von uns eine unterschiedliche Vorstellungen hat, welche von beiden Seiten überwiegt. Nichtsdestotrotz ähnelt das Schreiben des ersten Entwurfes der Kunst des Bildhauers, der aus einem wenig aufregenden Block Stein eine Skulptur erschafft, indem in mehreren Durchgängen Schicht um Schicht die eigentliche Idee freigelegt und Unebenheiten ausgebessert werden. Erst wenn jede Ecke, jede Rundung, jeder einzelne abstehende Brösel beseitig wurde, treten Bildhauer zurück und können zufrieden über ihr Werk sein. Bei AutorInnen ist das ähnlich, nur übernehmen mehrfache Überarbeitungsrunden, Korrektorate, Lektorate und auch erste TestleserInnen diese Aufgabe. Sie alle werden ihre Spuren am ersten Entwurf hinterlassen, bis am Ende ein fertiges Produkt entstanden ist, mit dem auch wir AutorInnen zufrieden sein können. Dann — und wirklich erst dann — ist der Moment gekommen, über das eigene Werk final zu richten. Alle negativen Gedanken vorher sind verschwendete Mühen, da ein erster Manuskript-Entwurf eben genau das ist: ein Entwurf. Eine erste Version. Deine Aufgabe ist es, aus diesem groben Schreibblock, eine wunderbare Skulptur zu machen!

 

Was für Lektionen und Lehren hast du aus deinem bisherigen AutorInnenleben gezogen, die du anderen AutorInnen mitteilen würdest? Welche Tipps würdest du vielleicht noch unerfahreneren AutorInnen geben:)?

 

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