Es kann immer einmal vorkommen, dass Bücher nicht so überzeugend sind, wie es der Klappentext versprochen hatte und man merkt nach einer gewissen Zeit, dass sich die erhoffte Leselust mehr und mehr in Lesefrust wandelt.

Gleichermaßen gibt es aber auch eine ganze Reihe von Büchern, die begeistern können und die es schaffen, dass man sich richtig auf seine Lesezeit mit dem Buch freut, vielleicht sogar nach dem Ende des Buches immer mal wieder zurückkehren wird. Da stellt sich die Fragen, worin denn die Unterschiede zwischen beiden Varianten liegen. Was fehlt mittelmäßigen oder schlechten Büchern?

Aus diesem Grund wird es im heutigen Blogbeitrag einmal um 10 Dinge gehen, die dafür sorgen, dass LeserInnen ein Buch bis zum Schluss lesen und nicht vorher bereits die Flinte ins Korn werfen, kurz gesagt: einige Elemente eines guten Buches. Hierfür werden zehn unterschiedliche Gründe genannt, die zwar nicht alle in einem guten Buch in geballter Form auftreten müssen, aber besonders in hoher Anzahl für deutliche Lesefreude sorgen, vielleicht sogar ein Buch zu einem echten Page-Turner werden lassen. 

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass jeder Leser und jede Leserin stets individuelle Erwartungen hat, was ein gutes Buch haben sollte, daher kann die folgende Auflistung nur einen Teilbereich zeigen, hegt aber keinerlei Anspruch darauf, alle Elemente eines guten Buches zu zeigen.

Gern gesehen wären hierbei Ergänzungen im unteren Kommentarbereich :)!

Viele Vergnügen!

1. Figuren, die leben! 

LeserInnen sehnen sich danach, dass sich eine Geschichte möglichst glaubwürdig anfühlt und da spielen Figuren eine gewichtige Rolle. Die Charaktere aller Figuren müssen nachvollziehbar, vielschichtig und so konzipiert/konstruiert sein, als würde man die Gedanken und Worte echter Menschen lesen. Erst dann beginnen LeserInnen damit, sich für die Figuren, ihre Probleme, Wünsche und Träume zu interessieren und gerade deswegen möchte man ein Buch kaum mehr weglegen. Immerhin möchte man doch wissen, was mit den lieb gewonnen Figuren passiert und welche Schicksale sie ereilen wird. Was ein gutes Buch also braucht, sind wunderbare Figuren, die nicht wie dünne Abziehbilder sind, sondern wie reale Menschen erscheinen, damit man als LeserIn ein Verhältnis zu ihnen aufbauen und mit ihnen mitfiebern kann. 

2. Das Achterbahn-Prinzip!

Ähnlich wie bei Achterbahnen gibt es im Grunde zwei Arten von Büchern: solche, die sofort in die Vollen gehen, einen Raketenstart hinlegen, und hierbei mit Höchstspannung oder einem interessanten Konflikt anfangen, nur um dann das Tempo zu verlangsamen, später aber wieder Fahrt aufnehmen bis letztendlich die Höchstgeschwindigkeit erreicht wird. Und es gibt solche, die LeserInnen ermöglichen, sich erst einmal in Ruhe an das Gefährt zu gewöhnen, sich mit der Situation vertraut zu machen, um die Geschwindigkeit (und damit die Spannung) langsam aufzubauen. Beides sind völlig legitime Wege und haben ihre Berechtigung.

Das Entscheidende ist nur, dass sowohl der Erzählrhythmus als auch das Erzähltempo abwechslungsreich sein müssen. Es muss für beides, ebenso wie für die Figuren, Höhen und Tiefen geben, damit man als LeserIn stets am Weiterlesen interessiert ist.

Wenn die Geschichte nur in einer eintönigen Linie verläuft, entsteht schnell Langeweile und man fragt sich unweigerlich, warum man dieses Buch überhaupt liest, ob man nicht vielleicht seine Zeit vergeudet. Gute Bücher lassen ihre LeserInnen aber gar nicht erst zu einem solchen Punkt gelangen, da sie genug Abwechslung im Bereich der Erzählstruktur und der Geschwindigkeit bieten und so keine Langeweile aufkommen kann. An die Stelle der Langeweile tritt dann eine Art Lesesucht, dass man unbedingt weiterlesen möchte und sich nach einem langen Arbeitstag darauf freut, in das Buch und dessen Welt zurückkehren zu können.

3. Konflikte & Reibung! 

So schön Beschreibungen von Umgebungen und Orten auch sein mögen, letztendlich sind es die Interaktionen zwischen den Figuren und unterschiedlichen Ansichten, die wirkliches Interesse wecken. Nur durch Konflikte und Reibung gelingt es, eine solche Spannung aufzubauen, die LeserInnen davon abhält, das Buch gelangweilt beiseite zu legen und es nie wieder anzurühren. Erst wenn es unterschiedliche, gleichermaßen nachvollziehbare Seiten gibt, die aufeinandertreffen und im Clinch liegen, entsteht eine Art Anspannung, die sich positiv auf das Leseverhalten auswirkt. Immerhin möchte man dann wissen, welche Seite siegreich aus dem Konflikt hervortritt und hat sogar bestenfalls eigene Favoriten. Die beste Kombination ist es daher, große und nachvollziehbare Konflikte aufzubauen und sie mit wunderbar lebendigen Figuren in Verbindung zu bringen. Da ist ein Page-Turner garantiert!

4. Die Ratestellung! 

Ob es die Geschicke von Figuren oder den Verlauf von Haupt- und Nebenhandlungen betrifft, eines ist ganz wichtig, um LeserInnen bei der Stange zu halten: die Ratestellung. Damit ist der Zustand während des Lesens gemeint, in dem man sich in einem konstanten Strom an Fragen befindet, wie wohl die Entwicklung der Figuren, deren Beziehungen, der Handlung, des Settings und der ganzen Geschichte weitergehen wird. Man verfällt so gerne mal in einen Leserausch, durch den man völlig in ein Buch versinken kann, um Antworten auf die vielen Fragen zu bekommen und so selbst einmal Detektiv spielen zu können.

Hierdurch entsteht ein ständiger Wettkampf mit dem Autor beziehungsweise der Autorin darum, ob man erraten kann, welche Wege für die Geschichte ausgewählt wurden. Das wirkt sich motivierend auf das Lesevergnügen aus, denn so hat man nicht nur die Ebene der eigentlichen Handlung, die für Spannung sorgt, sondern auch noch die Meta-Ebene der eigenen Suche nach Hinweisen und Spuren, in welche Richtung sich alles entwickeln könnte.

5. Vorhersagbarkeit & Überraschung!

Ein gutes Buch muss beides bieten: Vorhersagbarkeit und Überraschung. Im Grunde geht dieser Punkt mit dem vorherigen Element der Ratestellung einher, denn während sich beim Lesen immer mehr Fragen bei LeserInnen bilden, entstehen natürlich auch Thesen, wie Figuren agieren oder bestimmte Handlungsstränge ausgehen können. Wenn Bücher es dabei ermöglichen, dass man mit einigen dieser Thesen richtig liegt, kann man sich freuen, die Figuren gut genug eingeschätzt zu haben und man wächst noch näher mit ihnen zusammen. Gleichzeitig ist das dann auch ein Lob an den Autor beziehungsweise an die Autorin, da man so überprüfen kann, ob sich Figuren stringent zu ihrer bisherigen Präsentation verhalten. Gelingt das, wächst auch das Vertrauen der LeserInnen in den/die AutorIn, was hilfreich für die LeserIn-AutorIn-Bindung ist.

Gleichzeitig müssen gute Bücher aber auch Überraschungen bieten, da kaum ein Buch wirklich überzeugen kann, wenn alles absolut vorhersehbar ist.  Diese Überraschungen dürfen keinesfalls plump oder so strukturiert sein, dass sie alles bisher in der Welt Etablierte auf den Kopf stellen; sie müssen sich logisch und nachvollziehbar in den Handlungsverlauf eingliedern. Auf diese Weise wird noch mehr Spannung als durch die Figurenkonstellation und die eigentliche Geschichte erzeugt, was sich positive auf den Drang auswirkt, das Buch weiterlesen zu wollen.

6. Cliffhanger!

Eine plötzliche Wendung, eine schlimme Nachricht, eine wichtige Information, die an die Oberfläche gespült wurde oder es entsteht eine Bedrohungssituation: Cliffhanger sind vielseitig und gerade das macht sie so erfolgreich! Meist am Ende des Kapitels angesiedelt, sind Cliffhanger ein gern gesehenes Mittel, um LeserInnen anzutreiben, nicht mit dem Lesen aufzuhören, sondern sofort auch das nächste Kapitel zu lesen. Cliffhanger wirken bei Filmen/ Serien und natürlich auch bei Büchern hervorragend, wenn sie der Autor oder die Autorin sorgsam und keinesfalls zu inflationär eingesetzt hat. 

7. Verknüpfungen! 

Ein großer Unterschied zwischen einem guten und einem eher schlechten Buch liegt in der Vernetzung. Während schlechte Bücher meist nur sehr stringent sind, kaum Abzweigungen besitzen und die Komplexität einer Linie haben, sind gute Bücher meist spinnennetzartig aufgebaut. Wenn man beispielsweise im Mittelteil merkt, wie sich unklare Stellen vom Anfang zusammenreimen, wie Dinge aufgegriffen werden, die wie Nebensächlichkeiten erschienen, wie Verknüpfungen auf einmal Sinn ergeben und so der Handlung oder Figuren eine neue Wendung geben, steigert das die Lesefreude ungemein, da auch das Vertrauen in den Autor bzw. die Autorin wächst. Man lässt sich sozusagen gerne an die Hand nehmen und baut darauf, dass alles wunderbar durchstrukturiert wurde, damit man als LeserIn möglichst viel Freude hat. Man kann sich also richtig Fallen lassen und die Erzählung genießen!

8. LeserInnen ernst nehmen! 

Völlig unglaubwürdige Entscheidungen, die auf kaum einer Ebene nachzuvollziehen sind, eindimensionale Figuren, deren Funktion von einem Kilometer weit ersichtlich ist, Textstellen, die LeserInnen einfach mal — trotz schreiender Einfältigkeit/Dummheit — schlucken sollen und dazu noch riesige Plotholes. All das findet man in schlechten Büchern, bei denen AutorInnen darauf vertraut haben, dass LeserInnen nicht so schlau seien wie sie selbst oder darauf hofften, Ungereimtheiten würden nicht auffallen.

Gute Bücher hingegen nehmen ihre LeserInnen ernst und halten sie weder für dumm noch zum Narren: alles wurde im Vorfeld aufs Genauste überprüft, ob Figuren glaubhaft, ob Handlungsverläufe logisch aufeinander aufgebaut sind und ob jedes Detail nachvollziehbar ist. Nur wenn AutorInnen ihre LeserInnen auf Augenhöhe betrachten, entsteht eine Partnerschaft zwischen beiden Parteien und man kann gemeinsam Freude an dem Buch empfinden. 

9. Leid & Gefahr!

In vielen wunderbaren Büchern, die man kaum mehr aus der Hand legen möchte, spitzt sich die Handlung an einer oder mehreren Stellen im Buch derart zu, dass die Figuren, die man lieb gewonnen hat, etwas durchleiden müssen oder in eine Gefahr geraten. Meist werden sie in Situationen versetzt, in denen sie etwas von großer Bedeutung verlieren können (z.B. ihr Leben) und gerade mit solchen Figuren, die LeserInnen ans Herz gewachsen sind, leidet man selbst mit und hofft darauf, dass sie möglichst glimpflich davonkommen. Da kommt es auf keinen Fall in Frage, in der Mitte eines solchen Augenblicks mit dem Lesen aufzuhören und sich selbst der Unwissenheit auszusetzen, was geschieht! Man muss einfach weiterlesen!

10. Lehren anstatt zu leeren! 

Ein gutes Buch gibt LeserInnen etwas zu entdecken, erobern, erkunden, während ihr Horizont, ihr Geist und ihr Wissenstand erweitert wird. Solche Bücher bieten LeserInnen die Möglichkeit, mehr über sich selbst, die Welt, über das Verhalten von Figuren oder den Umgang in bestimmten Situationen zu erfahren. So geben derart gute Bücher LeserInnen mehr, anstatt nur das Lesezeitkonto zu leeren. 

Welche Wege dabei auch immer genutzt werden, bleibt AutorInnen selbst überlassen, aber Bücher, die die Grenzen des Wissens/der Gedankenwelt der LeserInnen sprengen und neue Erfahrungen ermöglichen, können mehr begeistern als solche, die nur altbewährtes und hundertmal Durchgekautes neu aufwärmen. Gute Bücher sind aus diesem Grund auch immer eine Bereicherung für das eigene Leben der LeserInnen und nie Ballast, von dem man sich lösen möchte.

Was gehört für euch zu einem guten Buch :)? Was sind Dinge, die euch bei der Stange halten und Eigenschaften, die euch davon abhalten, das Buch aufzugeben:)?

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