Im heutigen Beitrag wird es erneut darum gehen, einige gängige Fehler zu durchleuchten, die junge aber auch ältere AutorInnen machen und sie anschließend zu testen. Dieses Schreibtraining ist der zweite Blog einer unregelmäßigen Reihe, in der bestimmte Problemfelder wie Rechtschreibung, Zeichensetzung, rhetorische Mittel, Syntax und andere Themenfelder aufgezeigt und verbessert sollen werden. 

Für den heutigen Blog wurden eine Reihe an typischer Fehler ausgewählt, die vielen Menschen Probleme bereiten und daher soll zuerst eine Erklärung erfolgen, die dann mit Beispiel veranschaulicht wird. Anschließend gibt es immer wieder einige Testfragen, die du für dich selbst beantworten kannst.  Die Lösungen stehen ganz unten unter dem Bild mit meinen Büchern! 

Bevor es losgeht noch ganz wichtig: Niemand von uns beherrscht die deutsche Sprache in absoluter Perfektion, daher lass dich nicht davon verunsichern, wenn du mit einigen der kommenden Gebiete Probleme hast. Sieh es positiv: hier bekommst du die Chance, die Probleme für immer abzustellen!

Los geht’s!

 ss vs ß

Rechtschreibreformen sind eine der verwirrendsten Veränderungen, die es im Bereich der Sprache geben kann, da vor allem eines geschaffen wird: Unsicherheit. Eines der größten Problemfelder hierbei ist die Frage, ob Worte inzwischen mit „ss“ oder weiterhin mit einem „ß“ geschrieben werden. Hierzu gibt es leider keine Eselsbrücke, die man sich merken könnte, sondern lediglich zwei kurze Regeln, die einiges Licht in dieses Dunkeln bringen:

Nach einem langen Vokal  und Doppelvokalen (Diphtongen wie eu, ei, etc.) steht immer „ß“ wie z.B. in Schoß, Fuß, Maß, scheußlich, Schweiß.

Nach kurzen Vokalen schreibt man ein „ss“ wie bei Hass, Schloss, etc.

Test: Richtig oder Falsch?

1. Faß     2. Kuss     3. Schluß    4. Reissverschluss     5. außer

 Wieder vs wider

Zwei Worte, deren Schwierigkeit sich daraus ergibt, dass sie exakt gleich klingen. Während das Erste der beiden Worte bedeutet, dass eine Handlung wiederholt wird, richtet sich die zweite Variante gegen etwas, wie zum Beispiel das Wort „widerwillig“ aufzeigt. Hier würde man etwas gegen den eigenen Willen machen. 

Ähnlich wie die im vorherigen Blogbeitrag vorgestellten Worte „dass/das“, gibt es auch hier eine verhältnismäßig einfache Eselsbrücke, die man sich leicht merken kann: „Wieder“ besitzt ein „e“ mehr als „wider“ und wenn man sich diesen zusätzlichen Vokal als Abkürzung für „erneut“ merkt, wird man nie wieder in die Bredouille geraten können, nicht zu wissen, welches von beiden Worten welche Bedeutung hat. Das Wort „wieder“ steht also gleichbedeutend für „erneut“.

Wem das allerdings noch nicht ausreicht, kann sich gerne bei „wider“ zwei Widder vorstellen, die gegeneinander prallen, um noch eine zusätzliche Absicherung zu besitzen.

Test:

6. Sie stand ______ auf (wieder/wider).

7. Er leistete keinen _______ stand gegen seine Verhaftung. (wieder/wider)

8. Das war einfach ______  seiner Natur, sich auf ein solche Niveau herabzulassen! (wieder/wider)

9. „Wie kannst du nur den gleichen Fehler ____ und _____ machen?“  (wieder/wider)

Rezession vs Rezension

Dieser Fehler begegnet vor allen Dingen BuchbloggerInnen und AutorInnen häufig, da sie diejenigen sind, die mit einem dieser zwei Wörter regelmäßig, vielleicht gar täglich zu tun haben: Rezensionen. Dieses Wort bezieht sich darauf, eine mehr oder minder ausführliche Bewertung über ein Produkt wie zum Beispiel ein Buch zu verfassen. Das andere Wort, Rezession, bezeichnet einen Abschwung (Verschlechterung) in der Entwicklung einer Volkswirtschaft.

Hier dürfte auch bereits der Grund liegen, wie man beide Worte, die nicht so deckungsgleich klingen (homophon) wie „Mine/Miene“ oder „wieder/wider“, durcheinander bringen kann: während sowohl Rezension als auch Rezession im Sprachschatz vieler Menschen vorhanden ist, scheint die Bedeutung des zweiten Wortes nicht sonderlich verbreitet zu sein und das ermöglicht es, die Worte durcheinander zu bringen. Während es für BuchbloggerInnen und AutorInnen völlig klar ist, dass es Rezension heißen muss, wissen wirtschaftsaffine Menschen, dass eine Bewertung eines Produktes niemals eine Rezession sein kann. 

Test:

10. „Ich habe versucht, so nett wie nur möglich in meiner ______ zu sein“ (Rezension/Rezession)

11. Die _____ hat uns einfach weiter im Würgegriff. (Rezension/Rezession)

12. „Das Land befindet sich nach dem Hoch noch immer in einer _______ . (Rezension/Rezession)

13. „Eine weitere 5-Sterne ______? WOW!“ (Rezension/Rezession)

Mine vs Miene

Mine mit nur einem „i“ hat im Grunde 3 Bedeutungen: zum einen steht es für eben jenen dunklen Ort unter der Erdoberfläche, der neben Edelsteinen auch noch Metalle und sonstige Rohstoffe bereithält, die wir für unser alltägliches Leben benötigen. Zum anderen ist damit  die Spitze eines Bleistifts gemeint. Außerdem bezieht sich das Wort auch noch auf die kreisrunden tödlichen Instrumente, um die man lieber einen Bogen machen sollte. Ein Wort — 3 Bedeutungen. Verrückt!

Miene, mit einem „ie“ geschrieben, hat nur eine Bedeutung: Gesichtsausdruck. Das ist insofern eine Erleichterung, als dass die anderen drei Bedeutungen vorher anders geschrieben werden und man so nur eine Denkhilfe finden muss, um zwischen den drei Bedeutungen und dieser einzigen zu unterscheiden. Die ist allerdings nur mit einem Umweg möglich: stellt man sich die Frage „Was drückt eine Miene aus?“, kann man das Wort für die Antwort in leicht veränderter Form erneut benutzen: meine Gefühle. Aus „Miene“ kann man also“ meine“ basteln und hat man diese Verbindung erst einmal im Kopf, besteht keine Verwechslungsgefahr mehr.

Test:

14. Bevor er mit dem Zeichnen beginnen konnte, musste er die _____ seines Stiftes anspitzen. (Mine/Miene)

15. Mit ihren Spitzhacken und einem Lied auf den Lippen ging es für die 7 Zwerge zurück in ihre _____. (Mine/Miene)

16. Sie machten gute _____ zum bösen Spiel. (Mine/Miene)

Superlativierte Verben

In der heutigen Zeit scheint es kaum mehr auszureichen, nur ein gutes Produkt zu besitzen oder es mit Komparativen (2. Steigerung) zu steigern, es muss stets das Beste, das Schönste, das Erfolgreichste, etc. sein. Bei dieser Flut an Superlativen ist es nicht verwunderlich, dass es auch immer mehr Menschen gibt, die diese Steigerungswut in die falsche Richtung treiben, wie z.B. „meist gelesenste“. 

Doch was unterscheidet „erfolgreichste“ von „gelesenste“?

Die Wortart. Während „erfolgreich“ ein Adjektiv ist, das man seiner Natur gemäß steigern kann, handelt es sich bei dem zweiten Wort um ein Verb, das man zwar konjugieren (beugen) kann, aber keinesfalls steigern darf. Aus diesem Grund lautet es richtig: meist gelesene, höchst erreichte, tiefst stehende. Außerdem deuten Wörter wie „meist, höchst, tiefst, etc“ bereits auf den Höchstzustand hin, sodass eine erneute Steigerung danach überflüssig wird. Ein Buch, das meist gelesen ist, wird nicht öfter gelesen, indem man es als „meist gelesenste“ bezeichnet.

Test: Richtig oder falsch?

17. Der Roman „1984“ von George Orwell ist der meist besprochenste des Monats!

18. Das neue Album von Beyoncé ist das meist verkaufte Album des Jahres.

19. Das Entfernen der Kopfhörerbuchse ist die am wenigsten gewollteste Veränderung an einem Handy seit Jahren. 

20. Die Jesus-Statue in Rio ist die höchst gelegenste religiöse Statue der Welt!

effektiv vs effizient

Diese beiden Worte werden gerne mal als Synonyme verwendet, dabei weisen sie auf zwei völlig unterschiedliche Beschreibungen eines Arbeitsprozesses hin, wie das folgende Beispiel zeigen wird: 

Nehmen wir an, ich hätte in einem Kaufrausch auf dem Flohmarkt 10 neue Bücher gekauft, die ich nun von der Haustür zu meinem Bücherregal tragen muss, um sie dort einzusortieren. Wenn ich nun jedes Buch einzeln zum Regal trage, ist das effektiv, weil ich mein Ziel erreiche. Effektiv bedeutet also, dass ein angestrebtes Vorhaben gelingt. 

Wenn ich aber jetzt jeweils fünf Bücher zum Regal trage, muss ich nur zwei Mal laufen, anstatt zehn Mal, daher wäre das eine effiziente Herangehensweise, da ich auch mein Ziel erreiche und das mit möglichst wenig Arbeitsaufwand. Das Wort „effizient“ bedeutet deswegen, nicht nur ein Vorhaben gelingen zu lassen, sondern beschreibt zusätzlich, dass es besser, schneller, günstiger, etc. gelingt.

Wichtig: sowohl bei „effektiv“ als auch bei „effizient“ wird das Ziel erreicht. Bei „effizient“ wird aber noch die Qualität der Problemlösung beurteilt.

Test:  

21. Eine Reise von Köln nach Berlin mit dem Bus anzutreten, ist zeitlich nicht so   ______ wie mit dem Flugzeug. (effektiv/effizient)

22. Einen Baum mithilfe einer Motorsäge zu fällen, ist _____er als mit einer Säge eines Schweizer Taschenmessers. (effektiv/effizient)

23. Eine brennende Kerze mit einem Eimer Wasser zu löschen ist ______. Sie auszupusten wäre _______er.  (effektiv/effizient)

Modell vs. Model

Erneut bereiten zwei Wörter Probleme, weil sie zu ähnlich klingen. Dabei gibt es einen ganz einfachen Trick: „Model“ steht für Menschen, die für Photoshootings gebucht werden oder auf den Laufstegen dieser Welt unterwegs sind. Model besitzt ein „L“, genau wie „Laufsteg“. Hat man diese Verknüpfung erst einmal verinnerlicht, wird es nicht mehr zu Verwirrung mit „Modell“ kommen, das ein Abbild eines Lebewesens oder eines Gegenstandes darstellt. 

Test:

24. Das _____ eines Skeletts steht oben im Biologieraum. (Modell/Model)

25. „Ich habe selten mit einem derart eingebildeten _____ zusammengearbeitet!“ (Modell/Model)

26. Herbert schaute stolz auf seine _____eisenbahn. (Modell/Model)

LÖSUNG

Falsch

 

Richtig

 

Falsch

 

Falsch

 

Richtig

 

wieder

 

Wider

 

wider

 

wieder, wieder

 

Rezension

 

Rezession

 

Rezession

 

Rezension

 

Mine

 

Mine

 

Miene

 

falsch

 

richtig

 

falsch

 

falsch

 

effizient

 

effizienter

 

effektiv, effizienter

 

Modell

 

Model

 

Modell

Und? Wie viele Punkte hast du bei dem Test erreicht :)? Welche anderen Problemfelder der deutschen Sprache kennst du noch? Was soll ich noch behandeln:)? 

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