Die Art zu schreiben hat sich in der Geschichte der Menschheit sehr weit entwickelt: Anfangs hat man Ritzen in Höhlenwände gekratzt, schrieb dann auf den ersten Formen von Papier, der Buchdruck wurde erfunden, danach folgten Schreibmaschinen, später Computer und inzwischen gibt es dutzende Programme und Wege, nicht nur immer und überall zu schreiben, sondern sogar die eigenen Inhalte stets griffbereit zu haben über sogenannte „Clouds“. 

Nun ist die technische Entwicklung erneut kurz davor, einen weiteren Schritt zu machen: Virtual Reality. Ähnlich wie Bücher LeserInnen in fremde Welten bringen, ist es Sinn dieser neuen Technik, Gleiches mit Hilfe von Brillen anzubieten. Daher soll der heutige Blog einmal die Frage beantworten, ob man nicht beide Weltenbringer miteinander in Einklang bringen kann: Autoren und Virtual Reality.

Zu Beginn dieses Beitrages soll einmal ganz kurz und minimalistisch geklärt werden, was man unter dem Begriff „Virtual Reality“ versteht und welche technischen Möglichkeiten es gibt. Diese Einführung wird wirklich nur eine grobe Orientierung für alle bieten, die noch nichts von dem Thema wissen. Wer bereits mit den Grundprinzipien von VR bekannt ist, darf gerne zur nächsten Überschrift springen! 

Nach der kurzen Einführung in VR erfolgen einige Grundgedanken zum Thema, wie Virtual Reality uns Autoren helfen könnte und im Anschluss werden einige Anwendungsbeispiele die theoretischen Gedanken in die Praxis umwandeln, um einmal zu zeigen, wie hilfreich VR für das Schreiben sein könnte. Vor dem eigentlichen Fazit wird aber auch nochmal erwähnt, was die Grenzen dieser neuen Technik sind.

Viel Vergnügen!

Was ist VR?

„Virtual Reality“ bedeutet nichts anderes als dass mittels technischer Geräte eine neue nicht-reale Welt erschaffen wird. Diese befindet sich, anders als bei Filmen, nicht etwa nur vor einem, sondern man kann sich in ihr 360 Grad umdrehen, teilweise sogar bewegen, man wird also direkt in eine solche virtuelle Welt hineinversetzt. 

Dies ist nach langer Entwicklung heutzutage möglich,indem man eine von drei Varianten nutzt: zum einen gibt es sogenannte Virtual Reality-Brillen, die man sich einfach auf den Kopf schnallt (siehe Bild rechts) und vorne in einen Schlitz das eigene Smartphone steckt. Dort hat man dann vorher ein Programm gestartet und kann sich mittels Kopfbewegungen frei umsehen. 

Zum anderen gibt es etwas fortgeschrittenere VR-Brillen mit eigenen Bildschirmen wie für die Playstation 4 oder die sogenannte Oculus Rift (siehe Titelcover dieses Blogs), die man sich aufsetzt und deutlich realistischere und grafisch aufwendigere Erlebnisse bieten kann, da eine Ps4 bzw. ein Computer mehr Rechenpower als ein Handy besitzt. Zusätzlich kann man auch noch ein Gerät zur Steuerung in jede Hand nehmen, um sich in dem jeweiligen Programm oder Video aktiv bewegen zu können. Das mag an dieser Stelle noch kryptisch klingen, wird in den späteren Anwendungsbeispielen aber sichtbar sein. 

Die dritte Variante, und gleichzeitig die teuerste, ist HTC Vive (siehe Bild rechts). Zwar setzt manauch hier eine Brille auf und nutzt zwei Geräte als Controller, aber durch Kameras, die man in den Ecken eines Raumes anbringen kann, ist es hiermit sogar möglich, sich frei in einem bestimmten Radius zu bewegen und umhergehen zu können. Das bedeutet, dass man nicht nur auf der Couch sitzen oder an einem Punkt still stehen muss, sondern durch die Bewegungsfreiheit entsteht eine noch deutlichere Verschmelzung mit der Welt.

Diese drei Varianten sind momentan erhältlich und in den folgenden Abschnittes dieses Beitrages soll einmal ergründet werden, welchen Nutzen Autoren aus ihnen ziehen können.

VR & Schreiben

Unabhängig davon für welche der vorher genannten Varianten man sich auch entscheidet, sie alle beinhalten im Kern, dass man nicht mehr länger nur aus der Entfernung auf das Geschehen schaut, sondern ein Teil davon wird. 

Das ist insbesondere für das Schreiben wertvoll, da hierdurch ermöglicht wird, Situationen und Umgebungen nicht mehr nur aus der Sicht eines Zuschauers zu erleben, sondern aktiv hinein versetzt wird. Anstatt beispielsweise nur vor dem Fernseher zu sitzen und sich einen Film mit einen Mörder anzusehen, der sein Opfer jagt, ist es mit den VR-Brillen möglich, tatsächlich in die Rolle des Opfers zu schlüpfen und so — speziell in Verbindung mit Kopfhörern — eine bisher nie erreichte Immersion zu erlangen: Man selbst (!) wird zum Opfer, kann die Angst, die Gefühlsausbrüche und rasenden Gedanken nachvollziehen, spüren wie das Herz sich beinahe überschlägt. Kurz gesagt: VR ermöglicht es, Dinge am eigenen Leib zu spüren und zu fühlen, die wir Autoren meist nur in der Theorie vermuten konnten, wenn sie nicht gerade wirklich in einer solchen Situation waren. Das könnte eine Quelle für völlig neue, präzisere und realistischer handelnde Figuren sein. Man muss sich nicht mehr länger nur fragen, wie sich eine Figur in einer bestimmten Situation verhalten könnte, sondern kann sie selbst erleben und eigene Entscheidungen treffen.

Neben vielen Situationen, in die man durch Spiele und Programme hineinversetzt wird, bietet Virtual Reality sich aber auch noch als eine Quelle der Inspiration in Bezug auf Gegenden und Orte an, die man nur in Gedanken beschreibt, aber in seltenen Fällen wirklich erleben konnte, sei es der Regenwald, ferne Städte oder abgelegene Gebiete, in die man so kaum einen Fuß setzen würde. Das in Verbindung mit dem vorher erwähnten Gefühl, nicht nur einen Film zu sehen, sondern wirklich da zu sein, kann eine große Hilfe sein, wenn es darum geht, den Detailgrad von Beschreibungen zu erhöhen und eine einmalige Atmosphäre zu erschaffen. Autoren können dann nämlich auf ihre eigene Erfahrung und individuelle Eindrücke zurückgreifen, anstatt nur in der Theorie Gegenden bereist oder Situationen durchlebt zu haben. 

Um diese Grundgedanken einmal von der Theorie in die Praxis zu holen, wird es im Folgenden eine Reihe an Beispielen geben, in der entweder jemand ein Spiel spielt und ihr euch vorstellen könnt, der Spieler zu sein oder aber es wird direkt ein VR-Video präsentiert, das auf den Brillen ablaufen würde und ihr euch darin bewegen könntet. 

 

Anwendungsbeispiele

Die folgenden Beispiele sind wirklich nur als eben solche zu verstehen: Beispiele! Es gibt inzwischen hunderttausende VR-Videos aus den unterschiedlichsten Bereichen mit ebenso verschiedenen Zielen & Zielgruppen. Daher sollen die folgenden Beispiele nur einen Einblick in die jeweiligen Möglichkeiten bieten. Wichtig ist an dieser Stelle noch der Hinweis, dass der angegebene Zeitpunkt nur eine Empfehlung ist, um mal einen Moment zu zeigen, der Inspiration für typische Abläufe/Situationen in Büchern sein können. Ebenfalls sollte man im Kopf behalten, dass die folgenden Videos jemandem, der eine VR-Brille trägt, das Gefühl geben, wirklich dort zu sein, wodurch die Videos einen stärkeren Effekt haben, als wenn man sie sich nur ansieht, wie beim Fernsehen/Filmen.

Den Anfang macht ein Beispiel, das besonders für Horror-, Thriller- und Krimi-Autoren interessant sein dürfte, denn es geht um eine Szene, in der sich der Spieler vor einem Mörder verstecken/flüchten will und die Angst, sowie die Umgebung am eigenen Leib wahrnehmen kann.

Empfehlung = Die Szene beginnt ab Minute 7:20:

 

Für viele Autoren ist es außerdem eine spannende Idee, ihre Geschichten nicht nur in der eigenen Stadt, sondern auch an fernen Orten spielen zu lassen. Um diese Orte dann möglichst realistisch und detailgetreu darstellen zu können, muss man entweder sehr lange recherchieren, Reiseberichte durchlesen, sich zahlreiche Dokumentationen ansehen oder, wenn es der finanzielle Rahmen erlaubt, aktiv hinreisen. Durch VR kann man vieles davon kombinieren, denn wie in den folgenden Beispielen vom Amazonas-Gebiet und New York, gibt es inzwischen Videos, die — insbesondere in Kombination mit Kopfhörern — einen tollen Eindruck verschaffen, selbst an diesen Orten zu sein. Das kann speziell für die Atmosphäre innerhalb der eigenen Bücher wichtig sein oder um sich in die eigenen Figuren hineinversetzen zu können, wie sie auf die Umgebung reagieren würden.

HINWEIS: Bei Videos, in denen man links und rechts ein Bild sieht, muss klar sein, dass das menschliche Auge diese beiden Bilder, sofern man eine VR-Brille trägt, zu einem Gesamtbild kombiniert. 

Amazonas-Gebiet 

Empfehlung =  ab Minute 1:37 schauen:

 

New York

Empfehlung =  ab Minute 0:18 schauen:

 

Neben Orten, an die man gerne reisen wollen würde, um sich von der Kultur und der Umgebung inspirieren zu lassen, gibt es natürlich auch Gegenden, in die man nur unter dem Risiko des eigenen Lebens reisen könnte. Da das jedoch nur selten gewünscht ist, behelfen sich Autoren seither insbesondere mit Dokumentationen und Kriegsfilmen, um ein Gefühl für gefährliche Orte bekommen zu können. VR hingegen erlaubt es, in einem Kriegsgebiet — wie im vorliegenden Fall Falludscha, Irak — zu sein, ohne sich in Gefahr begeben zu müssen. Trotzdem entsteht der Eindruck, man wäre da und kann sowohl die angespannte Atmosphäre, die Zerstörung und möglicherweise auch die Menschen als Inspirationen für eigene Geschichten in solchen Gebieten nutzen, sei es um auf die Situation dort aufmerksam zu machen oder sie für eine dystopische Geschichte umzuwandeln.

Empfehlung= Direkt von Beginn an schauen:

 

Manchmal sind es aber auch gar nicht so sehr die Orte, die es bereits auf unserer Erde gibt, die für Autoren interessant sind, weil sie vielmehr zu Parallelwelten, Fantasywelten oder in Richtung Sci-Fi streben. Auch hierfür könnte VR von Interesse als Inspirationsquelle sein, denn es gibt bereits zahlreiche Spiele, in denen man mit VR-Brillen ein Teil der jeweiligen Welt werden kann, wie im vorliegenden Beispiel von „Skyrim“ oder das darauf folgende Beispiel, das einen in den Weltraum versetzt.. Mittels solcher Videos könnte es Autoren noch leichter fallen, neue Welten zu erschaffen und sich vorzustellen, wie Figuren in ihr leben und miteinander interagieren würden!

Skyrim

Empfehlung = ab Minute 2:00

 

 

Weltraum

Empfehlung = ab Minute 1:10

 

Das waren einige Beispiele, die allerdings nur einen Bruchteil der Möglichkeiten zeigen, die man bereits im Moment schon, aber sicher auch noch in der Zukunft haben wird, da VR und dafür programmierte Videos/Spiele gerade einen Boom erleben.

Was kann VR nicht?

So vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von VR-Brillen sind und so unterschiedlich die Formen der Inspirationsquellen auch sein mögen, Virtual Reality hat natürlich auch seine Grenzen: Es ist schlichtweg kein Allheilmittel, das die Fantasie der Autoren ersetzt oder ihnen beim aktiven Schreibprozess helfen kann, beispielsweise bei der Wortfindung oder bei der Strukturierung des Plots. Auch wird es nicht möglich sein, die Handlung voranzutreiben, Figuren besserr miteinander interagieren zu lassen oder Plotholes zu verhindern. Lediglich auf der Ebene des Ideenreichtums und der Art und Weise, wie man Umgebungen und Situationen beschreibt, kann eine Beschäftigung mit VR den eigenen Horizont erweitern. Doch damit das wirklich allumfassend wäre, müsste eigentlich noch der Geruchs- und der Geschmackssinn ebenfalls Teil des technischen Fortschritts integriert werden. Bisher ist es durch VR möglich, sowohl mit den Augen als auch mit den Ohren in das jeweilige Programm beziehungsweise Video einzutauchen. Der Tastsinn wird durch Controller wie die von der Ps4 oder der Oculus Rift zwar teilweise übernommen, aber ganz zufriedenstellend ist das noch nicht.

Was bleibt also von VR als Hilfsmittel für das Schreiben zu halten? Heilsbringer oder Rohrkrepierer?

Wie so oft, liegt die Wahrheit in der Mitte. Es kann das Schreiben definitiv vorantreiben, kann sogar dabei helfen, sich besser in schwierige Situationen hineinzuversetzen und wird auch sicherlich sinnvoll sein, wenn man ohne Reisekosten fremde Orte besuchen und die dortige Atmosphäre aufnehmen möchte. Gleichzeitig wird es aber die kreative Arbeit der Autoren nicht ersetzen, sondern kann diese höchstens befeuern. Und genau das ist auch gut so, denn während große Autoren wie Hermann Hesse, der nach Indien reiste, oder Goethe, den es nach Italien verschlug, lange Wege auf sich nehmen mussten, bietet der technische Fortschritt heutzutage weitreichendere Möglichkeiten der Recherche an. Zwar fehlt noch die Implementierung aller anderen Sinne, um das Erlebnis wirklich gänzlich überzeugend zu machen, aber wer die Scheu überwunden und sich mal mit den Virtual Reality-Brillen auseinandergesetzt und sie ausprobiert hat, wird die endlose Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten zu schätzen wissen. Aus diesem Grund ist VR in jedem Fall eine nützliche, wenn auch nicht ganz preiswerte, Alternative, um Figuren, Situationen und Umgebungen näher kennenzulernen.

Was haltet ihr von Virtual Reality? Wenn es erschwinglich wird, würdet ihr es mal ausprobieren? Wie könnte es euch helfen oder haltet ihr es gar für gefährlich/hinderlich?

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