Halali kurz vor’m Harakiri

 

Grundgedanken und Prota

Betrachtet man sich den Klappentext, um einen ersten Eindruck vom Buch zu gewinnen, fällt sofort auf, dass unter einer kurzen Zusammenfassung ein Zitat steht, von dem man üblicherweise annimmt, es stamme von einer Zeitung oder einer anders gearteten Besprechung, doch weit gefehlt: es stammt von Ingrid Noll selbst, die ihr Buch nahezu preist. Ein ungewöhnlicher Schritt, zumal man im Einband durchaus ein Pressezitat aus “Die Zeit” vorweist. Ein schlechtes Omen, wenn lieber eine Lobpreisung der Autorin des Buches als Kaufanregung angibt, anstatt eines Ausschnitts einer hoffentlich objektiven Rezension?

Mit Halali entführt Noll den Leser in eine hauptsächlich von Frauen dominierten Geschichte, in der die Protagonistin Holda und ihre Freundin Kain sich verzweifelt auf Männerfang befinden und dabei einem Spion auf die Spur kommen. Als Setting fungieren hierbei die frühen 50er Jahre, also kurz nach der Entstehung der DDR und der BRD, sowie der bevorstehenden Anspannung des kalten Krieges. Zu jener Zeit ist die durchaus sympathische, jedoch an einigen Stellen etwas einfältige Holda eine Sekretärin im öffentlichen Dienst. Sie ist es, die als Ich-Erzählerin durch die Geschichte führt und die Entwicklungen aus ihrer Sicht beschreibt. Direkt zu Beginn wird jedoch deutlich, dass sie diese Erlebnisse nicht etwa zu der Zeit berichtet, in der sie geschahen, sondern sie retrospektiv ihrer Enkelin erzählt, wodurch ein großer Teil Dramatik bereits von Vornherein ausgeschlossen wird, da sie jede etwaige Form der Bedrohung unbeschadet überleben wird. Eine gewagte Wahl, wenn man sich vor Augen führt, Noll wolle einen Agentenroman erzählen.

Struktur und Fokus

Die Struktur dieses Romans ist unnötig verzwickt: er berichtet zum einen auf der Zeitebene der Gegenwart, in der eine Großmutter mit ihrer Enkelin interagiert und zum anderen kommt es hierbei dazu, dass erzählerische Rückblenden erfolgen, in der die Großmutter Holda ihrer Enkelin an ihrem Agentenerlebnis teilhaben lässt. Letzteres stellt auch den Kernpunkt dieses Romans dar, jedoch wird die stringente Erzählung aus den 50er Jahren immer wieder und ohne Not durch Zeitsprünge in die Gegenwart unterbrochen. Großteilig tragen diese Gegenwartserlebnisse nichts zur Geschichte bei und auch die Figur der Enkelin wird reduziert auf eine Stichwortgeberin, die lediglich als Auslöser einer weiteren Zeitreise in die Vergangenheit existieren darf. Warum der Roman nicht einfach die ganze Zeit in der Vergangenheit spielt und am Ende aufgelöst wird, dass Holda diese Geschichte nicht nur den Lesern, sondern auch ihrer Enkelin erzählte, wird wohl immer Nolls Geheimnis bleiben. Letztendlich ein handwerklicher Kniff, der keinen Mehrwert besitzt und das Lesevergnügen sogar mindert.

Sprache

Typisch für Ingrid Noll ist dieser Roman auf sprachlicher Ebene kaum herausfordernd. Die Handlung plätschert ebenso vor sich hin wie die aneinandergereihten Worte, kaum ein rhetorischer Kniff wird vorgetragen und Sätze sind derart leicht, dass sie sich im Kopf innerhalb einer Seite bereits verflüchtigen. Die Autorin hat hierbei einen ähnlich nüchternen, an manchen Stellen nahezu schnatternden Stil wie ihn einst Georges Simenon besaß, jedoch gelang es Simenon, noch eine gewisse Kühle in die Absätze zu bringen, die Noll jedoch nicht vorweisen kann. Ihre Sprache ist nett, aber mehr auch nicht. Hätte Noll mehr Zeit in die Sprache investiert, anstatt in die Struktur, wäre der Eindruck eines Groschenromans nicht so aufdringlich während des Lesens vorhanden gewesen.

Lesegefühl

Das durchgängige Gefühl bei diesem Roman ist das der knappen Mittelmäßigkeit. Wenige Dinge stören wirklich so sehr, dass man es abbrechen möchte oder verschaffen Übellaunigkeit, die auf den Magen schlägt, aber es gibt auch nicht viel, über das man sich fröhlich, geschweige denn begeistert zeigen könnte. Es ist ein Roman, der keine außerordentliche Bindung zu den Figuren herstellt und es zusätzlich auch noch versäumt, diese in möglichst vielschichtiger Weise darzustellen. Die Figuren und ihre Handlungen sind vor allem durch eine gewisse Beliebigkeit ausgezeichnet, die man ihnen gegenüber empfindet, da weder der Spionageteil noch der ihrer Freundschaft ein besonderes Interesse wecken kann.

Gleichzeitig gibt es aber auch wenig am gesamten Roman, was dafür sorgt, dass man von den Geschehnissen oder deren Präsentation abgestoßen oder weggetrieben wird. Es herrscht ein gewisses Maß an Tristesse im und Gleichgültigkeit gegen über dem Roman, derer man sich nicht entziehen muss, aber gerade diese Mischung sorgt für mangelnde Motivation, auf Agentenjagd zu gehen. Dafür entschleunigt sich dieser Roman viel zu oft selbst und stellt Elemente der Handlung in den Vordergrund, die von der Agentenjagd ablenken.

Halali ist schnell gelesen und noch schneller wieder vergessen. Es ist ein kleiner, nicht sonderlich appetitlicher Snack für Zwischendurch. In dieser Hinsicht macht der Roman zwar satt und stillt den Lesehunger für kurze Zeit — aber macht er auch glücklich? Eher nicht. Dafür ist die Struktur zu überflüssig, die Sprache farblos und die Figuren gesichtslos. Definitiv einer der schwächsten Noll-Romane.

Buchdetails

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (26. Juli 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3257069960

ISBN-13: 978-3257069969

Größe und/oder Gewicht: 12,4 x 2,5 x 18,8 cm

Klappentext:

„Natürlich sind Karin und Holda auf Männerjagd, schließlich wollen sie nicht alleine bleiben. Doch auch auf sie wird Jagd gemacht: Eine ganz besondere Sorte Romeos ist im Bonn der Nachkriegszeit im Einsatz. ›Halali‹ – das Sekretärinnendasein wird zum Abenteuer, der graue Alltag ist vorbei. Wehe dem, der ins Visier gerät.“

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