AutorIn zu sein, kann viele Facetten haben: man denkt sich wunderbare Geschichten aus, erschafft lebensechte Charaktere, fordert die eigenen LeserInnen emotional, geistig oder moralisch heraus und bietet der eigenen Kreativität einen unendlich großen Spielplatz – rundum: es kann wirklich toll sein, wenn man schreibt und man sollte stolz darauf sein, genau damit etwas zu verfolgen, was sich viele Menschen wünschen, aber vergleichsweise Wenige auch wirklich realisieren.

Leider gibt es nicht nur Lob von allen Seiten, sondern viele Kommentare und Fragen bezüglich unseres Berufsstandes/ unseren Büchern, die von tollpatschig über unnötig bis hin zu unverschämt rangieren können. Eine kleine Auswahl wurde für den heutigen Beitrag gesammelt, manches Mal auch mit Alternativsätzen ergänzt, die exakt dasselbe meinen und ebenfalls vorkommen. Ziel dieses Blogbeitrages wird es sein, diese nervigen und oft gehassten Sätze mal zu durchleuchten und – insbesondere denjenigen, die sie benutzen – zu erklären, warum man sie sich lieber sparen sollte!

Los geht’s!

 

1. „Gibt es da nicht schon Bücher und Filme darüber/mit dem Thema?“  

    Alternativ: „Das klingt voll nach Buch/Film X.”

Dieser Punkt nervt uns Autoren sehr, weil er die unterschwellige Anschuldigung enthält, man habe irgendwo abgekupfert und weil er gleichzeitig eine Beleidigung ist, dass die Geschichte des eigenen Buches nicht originell sei. 
Seien wir mal ehrlich: jeder Stoff, jeder Satz, jede Formulierung, jeder Charakterzug ist bereits – in irgendeiner Form – einmal da gewesen und das ist eine Tatsache mit der jeder von uns leben muss. Keiner von uns kann ein Buch vorweisen, in dem sowohl die Sprache als auch der Inhalt zu 100% neu ist und vorher nie benutzt wurde. Das ist völlig unmöglich. Worum es Autoren aber geht – und das macht jedes Buch einzigartig – ist die individuelle Version eines Themas mit den eigenen Vorlieben, Ansichten, Gedanken und Erlebnissen. Und wenn man sich im Bereich TV/Kino nicht an der 100sten Version aus den Bereichen Action, Crime, Romance oder Trash stört, sollte man sich nicht auf einmal bei Büchern über die Autoren erheben und ihnen das Gefühl geben, dass ihre Werke überflüssig wären, weil es so ein Thema ja schonmal gab.

2. „Warum schreibst du nicht sowas wie Harry Potter/Herr der Ringe/Bestseller XYZ?“ 

Eine gern benutzte Frage, die im Grunde dazu auffordert, dass man doch einfach einen Weltbestseller schreiben solle, da es andere AutorInnen ebenfalls gemacht hätten und es sicher nicht so schwer sein könne – leider völliger Unsinn.

Kein Mensch kann vorhersehen, welches neue Werk einen epochalen Erfolg haben wird. Variablen wie Sprache, Zeit des Erscheinens, Zeit innerhalb des Werkes, Genre, kultureller Bedarf, Zielgruppe und viele mehr müssen perfekt ineinander fließen, damit ein Buch ein riesiger Erfolg wird. Wäre es so einfach, eine solche Formel zu finden, würde sie jede AutorIn verfolgen und würde nur noch einen Welthit nach dem Nächsten landen.

3. „Ach, du schreibst? Ich habe da tolle Ideen/Erfahrungen/Geschichten für dich.“

Alternativ: „Ich habe schon so viel erlebt, du solltest darüber schreiben.“

Als hätte man als AutorIn nicht genug eigenen Stoff, maßen sich manche Menschen gerne an, darüber bestimmen zu können, was man zu schreiben hat und sehen das beste Thema auch noch in sich selbst – furchtbar. Man wird von einem kreativen Geist in nur wenigen Sätzen zu einem Sekretär degradiert, nur um das Ego dieser Person zu streicheln. Nein, darauf sollte man sich keinesfalls einlassen, sondern darauf verweisen, dass die Person gerne über sich selbst in einer Autobiographie schreiben kann. 

4. „Muss man dich/deine Bücher kennen? Habe noch nie von dir gehört.“ 

 Alternativ: „Bist du berühmt?“

Ein unverschämter und unhöflicher Satz, dem man gerne bei fremden Menschen begegnet, die – aus welchen Gründen auch immer – erfahren, dass man schreibt. Was kann man hierauf antworten? Soll man bejahen, dass man die eigenen Bücher unbedingt kennenlernen sollte und die Berühmtheit verneinen? Wirkt das nicht paradox und möglicherweise arrogant?

Eine schwierige Situation, da es auch eine Definitionsfrage ist, ab wann man “berühmt” ist oder ob man die Bücher kennen sollte. Es wäre zu raten, die eigenen Bücher an der Stelle lobend zu erwähnen, eine unbedingte Leseempfehlung auszusprechen und zu betonen, dass es bereits viele LeserInnen gibt. So kommt man zumindest halbwegs unbeschadet aus der unangenehmen Nummer heraus.

5. „Klingt gut, kannst du es mir (kostenlos!) schicken/geben?“

Eine zwiespältige Frage, denn einerseits möchte man natürlich mehr Leser haben, aber gleichzeitig, und diese Seite sollte dominieren, möchte man für die vielen Stunden auch gerne entlohnt werden. Bücher zu schreiben ist kein Hobby, das man mal so einfach nebenbei erledigt. Es ist harte Arbeit und fordert viel Konzentration, Aufopferungsbereitschaft und Kopfzerbrechen. In jeder einzelnen Seite, in jedem Kapitel steckt viel Sorgfalt und Liebe zum eigenen Werk und das gilt es auch angemessen zu entlohnen. Diese Menschen, die sich anmaßen, ein Buch nur umsonst haben zu wollen, sind nichts anderes als Schmarotzer und wertschätzen weder euch noch die Arbeit und den Aufwand, den ihr in das Schreiben des Buches gelegt habt.

6. „Das solltest du anders schreiben.“

Alternativ: „Ich hätte das anders gemacht.“

Es gibt Situationen, in denen man als AutorIn anderen Personen das eigene Buch schmackhaft machen möchte und ein wenig von der Geschichte erzählt. Soweit so gut. Leider kann es vorkommen, dass als Antwort dann anstelle einer Interessenbekundung direkt vermeintliche Verbesserungen kommen, von denen erwartet wird, dass man sie in das bereits fertige Buch einarbeiten soll. Hierzu eine kleine Analogie: 

Ein Buch zu lesen ist ein wenig wie mit einem Bus oder mit der Bahn zu fahren: man steigt ein, lässt sich auf eine Reise mitnehmen, ist passiv und besitzt prinzipiell die Möglichkeit, auszusteigen, um die Reise nicht bis zum Schluss fortzusetzen. Das sind die Rechte, die man als Passagier/LeserIn besitzt. Was man jedoch nicht darf: dem Fahrer beziehungsweise der Fahrerin vorzuschreiben, welche Route zu nehmen ist, wie schnell man fährt oder in irgendeiner Weise ins Lenkrad zu greifen. Aus diesem Grund sollte man die Wege, für die sich AutorInnen entschieden haben, eher hinterfragen als von vornherein davon auszugehen, dass man alles besser wüsste. Wäre man nämlich wirklich so viel schlauer, würde man eigene Bücher schreiben, die dann wieder von anderen Menschen mit “Das-solltest-du-anders-schreiben”-Vorschriften bedacht würden.

7. „Wie viele Bücher hast du schon verkauft?“

Alternativ: „Kannst du davon leben?“

Das könnte gut und gerne die Königsdisziplin der nervigen Fragen sein, denn hinter dieser Frage steht eine Gleichung:  “viele Bücher verkauft = gute Bücher”. Hat man wenige oder kaum eines der eigenen Werke verkauft, lässt das beim FragenstellerIn die Alarmglocken klingeln und es wirkt, als wäre man ein schlechter AutorIn. Sehr unangenehm. 

Mit einer solchen Frage bringt man uns AutorInnen schlichtweg in eine Bredouille, denn die Wahrheit ist: nur die wenigsten AutorInnen können vom Verkauf ihrer Bücher leben und die Anzahl der verkauften Bücher sagt nichts über die Qualität eben jener aus. Leider existiert in den Köpfen vieler Menschen die eben angesprochene Gleichung, weil sie nicht Teil des Systems sind, sondern nur am Ende der langen Kette zum eigenen Buch als Rezipient stehen. Sicherlich muss dieser Satz nicht böse gemeint, sondern kann eine Form des Interesses sein, aber die Frage besitzt keinerlei Relevanz, da sich die Bücher nicht verändern, egal ob man sagt, man hat viele davon gekauft oder wenige. Das Werk, worum es gehen sollte, nämlich die Bücher, bleibt exakt wie es ist, unabhängig von den Verkaufszahlen.

8. „Worum geht es in der Geschichte, die du gerade schreibst?“

Bei diesem Punkt kommt es stark auf den Kontext beziehungsweise die fragende Person an: Wenn es die eigene Familie oder nahestehende Freunde sind, mag die Frage kein Problem sein und von Autoren gerne beantwortet werden — das entscheidet jeder für sich. Wird sie aber von fremden Menschen gestellt, ist man in der Klemme. Für AutorInnen sind die eigenen Geschichten, insbesondere wenn sie gerade geschrieben werden und noch nicht beendet sind, wie eigene Babys, die sich im Entwicklungsstadium befinden. Ähnlich wie bei Säuglingen, vertraut man die eigene Geschichte einfach sehr ungern fremden Personen an. Geschichten im Schreibprozess sind ein fragiles Gebilde, bei dem man weder weiß, wohin die Reise letztendlich hinführt, noch möchte man die eigene kreative Leistung verbreiten, bis sie fertig ist, immerhin soll die Idee nicht gestohlen werden. 

9. „So viel für ein Buch?“ 

Alternativ: „Aber andere Bücher kosten 99 Cent.“

Sagt die Person mit einem Smartphone, einem Fernseher, einem Computer und Kleidung am Körper, die allesamt mehr wert sein dürfte als so einige Bücher.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft und da ist es zwar verständlich, dass man nach Schnäppchen Ausschau hält, aber es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie wenig geachtet Bücher als künstlerisches Produkt sind. Menschen sind nur zu gerne bereit für Dinge, die sie eigentlich nicht brauchen, mehr Geld auszugeben, als sie eigentlich haben, aber bei Büchern fängt dann das Knausern an.  

Speziell bei dem alternativen Satz möchte man eigentlich antworten, dass es auch Handys für 50€, Fernseher für 60€, Computer für 100€, sowie Kleidung für unter 10€ gibt. Ja, es existieren derart niedrige Preise, aber das ist ein Preis, der einerseits den AutorInnen kaum Lohn für ihre Arbeit gibt und andererseits kann man nur schwer verteidigen, dass man für andere Konsumgüter hunderte Euro ausgibt, aber sich bei einem Buch, in das hunderte Stunden geflossen sind, weigert, mehr als nur 1-2 € zu zahlen. 

10. „Wer liest denn sowas?“

Alternativ: „Schreib doch mal was Richtiges”

Es gibt Genres, die leider zu Unrecht einen in Schieflage geratenen Ruf besitzen wie zum Beispiel Fantasy, Romance oder auch Kinder- und Jugendliteratur. Gerade AutorInnen in diesen Feldern sehen sich mit dem Vorurteil konfrontiert, dass die Bücher, die sie mit viel Hingabe schreiben, nichts Wertiges/Richtiges wären, weil man sie nicht zur “Hochliteratur” eines Thomas Mann, Goethe, Lessing, Frisch oder Dürrenmatt zählen könne. Mit den Fragen wie “wer liest denn sowas” wird offenkundig gezeigt, dass der gewählte Stoff beziehungsweise das ganze Genre bedeutungslos sei und sich die Fragensteller kaum vorstellen können, dass jemand wirklich die eigene Lebenszeit mit diesen Werken “verschwendet”. Eine Unverschämtheit, die oft gerade von den Menschen kommt, die selbst noch nie ein Buch geschrieben haben und höchstwahrscheinlich bei jedem Versuch kläglich scheitern würden. Diesen Menschen kann man nur raten, von ihren hohen Rössern zu steigen, sich hinzusetzen und genau so ein Buch zu schreiben, wie sie es mit ihrer Erwartungshaltung lesen wollen.

Dann sollte schnell Ruhe herrschen.

(11. Du hast ein Theaterstück geschrieben? Wurde es schon aufgeführt?)

Diese Frage steht in Klammern, weil es nur die Autoren betrifft, die Theaterstücke schreiben. Für uns Theaterautoren ist dieser Satz ein Dorn im Auge, denn auch hier wird unterbewusst ein Qualitätsurteil vom FragenstellerIn gegeben gemäß “es wurde nicht aufgeführt = kann nicht gut sein“. Derartige Vorverurteilungen sind nicht nur schädlich für den Verkauf, sondern schaden der gesamten Branche, denn nur weil ein Stück gerade nicht aufgeführt wird oder noch nicht aufgeführt wurde, verliert es nichts an Bedeutung oder Qualität. Viele Theaterstücke warten im Grunde nur darauf, dass man sie aufführt, besäßen auch die Qualität, viele tausende Menschen zu begeistern, sie möglicherweise zu belehren, aber der Weg vom heimischen Schreibtisch auf die Bühne ist ebenso lang und schwierig wie der Weg vom Roman zur Buchverfilmung. Und bei Romanen käme aber niemand auf die Idee zu sagen, dass sie nichts taugen, nur weil man sie noch nicht verfilmt hat. Diese Gedankenkette ist exklusiv den Theaterstücken vorbehalten und kann AutorInnen äußert demotivieren.

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