Immer wenn LeserInnen ein Buch kaufen, tun sie dies mit einer gewissen Erwartungshaltung: es soll unterhalten, rühren, vom Alltag ablenken, eine Achterbahnfahrt der Gefühle darstellen, den Horizont erweitern und noch vieles mehr. Um als AutorIn ein Buch jedoch überhaupt in die Lage versetzen zu können, derartige Emotionen und Eindrücke auszulösen, müssen die dargestellten Figuren, Erlebnisse und auch Welten etwas besitzen: Glaubwürdigkeit.

Dieser Blogbeitrag wird sich einmal mit der Frage beschäftigen, warum Glaubwürdigkeit sowohl für LeserInnen als auch für AutorInnen so wichtig ist und wird vor einigen Wegen warnen, wie man dieses wichtige Gut auf’s Spiel setzen und sogar verlieren kann.

Viel Vergnügen!

Warum ist sie wichtig?

 

Geborgenheit & Sicherheit!

Jedes neue Buch bedeutet immer auch ein Bündnis zwischen AutorIn und LeserIn, das sehr fragil ist, insbesondere zu Beginn des Abenteuers. LeserInnen müssen sich auf den Vorstellungsreichtum, Schreibstil, die Art der Dialoge, Figurenführung und Tempo/Rhythmus der Erzählung neu einstellen. Zusätzlich hierzu müssen sie sich in der Welt des Buches und den dort existierenden Regeln erst einmal orientieren und durchdringen, welche Erwartungen man an Figuren und den Plot richten kann.

Alle diese Elemente sorgen, sobald man sich als LeserIn daran gewöhnt hat und alles stimmig erscheint, für eine gewisse Geborgenheit und Sicherheit, dass man sich auf die Figuren und Geschichte konzentrieren kann, ohne sich ständig vor Fehlern fürchten zu müssen. Dieser sorglose Zustand wird von AutorInnen dadurch ermöglicht, indem sie alle Handlungen, sei es auf der Figuren- oder der Plotebene, logisch hinterfragen, von mehreren Seiten betrachten und auch die einzelnen Handlungspunkte darauf untersuchen, ob sie realistisch für die dargestellte Welt erscheinen.

 

Fallen lassen!

Ist einmal das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit entstanden, kann man sich als LeserIn entspannt zurücklehnen und das Lesen verwandelt sich in eine Massage des Geistes, sowie der eigenen Imaginationskraft. Bilder werden im Kopf erzeugt, Figuren zum Leben erweckt, die Handlung spielt sich vor dem geistigen Auge ab, als hätte sich der Autor bzw. die Autorin in einen Filmvorführer verwandelt und ließe den Streifen einfach nur abspielen.

Auf diese Art kann man sich fallen und den Alltag hinter sich lassen. Erst wenn dieser Status erreicht wird, ist es möglich, dass LeserInnen wirklich in ein Buch abtauchen und das Gefühl einsetzt, dass beim Lesen die Zeit verfliegt und man gar nicht mehr aus der Welt gerissen werden möchte, weil sich alles so echt anfühlt. Man blendet die Realität einfach aus und existiert während der Lesezeit als eine Art Geist bzw. stiller Beobachter in einer anderen Welt, die bestenfalls fasziniert, begeistert und unterschiedliche Gefühle weckt. Eben genau so, wie es die Realität auch zu tun vermag.

 

Leserbindung festigen!

Ist man in der Lage, LeserInnen von sich, dem eigenen Können und der erschaffenen Welt sowie auch der Geschichte derart zu überzeugen, festigt sich die anfangs noch brüchige Bindung zwischen LeserIn und AutorIn immer weiter. Dies führt einerseits  dazu, dass man sich beim Lesen wohl fühlt und sich gerne in der Welt des Buches aufhält. Andererseits werden LeserInnen nach dem Ende dieser Reise das Gefühl haben, dass man dem Autor bzw. der Autorin vertrauen kann und werden sich jederzeit wieder bereit erklären, anderen Büchern aus derselben Feder ebenfalls eine Chance zu geben.

Ist man auch dann in der Lage, das bisher aufgebaute Vertrauen zu bestätigen, gegebenenfalls noch weiter anwachsen zu lassen, und erneut eine wunderbare Lesererfahrung zu bieten, wird man in den glücklichen Umstand geraten, dass LeserInnen einem die Treue schwören und von da an sehnsüchtig auf die kommenden Werke warten werden. Glaubwürdigkeit ist also nicht nur der Schlüssel dazu, dass LeserInnen ein Buch mögen, sondern entscheidet als ein Faktor auch darüber, ob sie wiederkehren und auch in Zukunft immer wieder zu den eigenen Büchern greifen werden!

 

Wie verliert man sie?

Macht man sich einmal bewusst, welche große Bedeutung die Glaubwürdigkeit eines Buches und seines Inhaltes für LeserInnen und ihr Vergnügen besitzt, ist es offensichtlich, dass man eben jene Glaubwürdigkeit um keinen Preis verlieren sollte, da das negative Konsequenzen nach sich zöge. Im Folgenden sollen einmal einige der vielen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man das Vertrauen der LeserInnen verlieren kann, um dabei helfen zu können, jene Fehler bei den eigenen Büchern zu vermeiden.

 

Lazy Writing!

Während es viele AutorInnen gibt, die sich stunden- und manchmal tagelang  den Kopf zermartern, um Szenen, Figuren und Handlungen möglichst realistisch und logisch darstellen zu können, sodass LeserInnen eben nicht darüber stolpern und Zweifel über die Sinnigkeit des Geschriebenen empfinden, gibt es leider auch solche, die sich lieber eine Abkürzung gönnen: Lazy Writing — eine der großen Sünden des Autorenlebens. Lazy Writing bedeutet, dass man nicht in der Lage war oder nicht genug Interesse am eigenen Werk hatte, um etwas innerhalb des Buches logisch zu erklären oder ein entstandenes Problem durch viel Nachdenken zu überwinden und dann zu einer unrealistischen und damit billig anmutenden Erklärung gegriffen hat, um in der Geschichte weiter voran zu kommen. Meist steht nur imVordergrund entweder zu einer bestimmten Situation innerhalb des Romans zu kommen oder eine Handlung auszulösen, sodass sich der Folgeplan daran anschließen lässt. Die Handlung wird auf die Geschehnisse gepresst, unabhängig davon, ob es passt, knarrt und knirscht oder nicht.

Hierbei geht man als AutorIn fest davon aus, dass LeserInnen das Geschriebene schon akzeptieren werden — man könnte auch “schlucken” sagen —, was von keinem großen Respekt für die Leserschaft zeugt. Ein oder zwei solcher Abkürzungen, um die Handlung voranzutreiben, mag sogar noch akzeptiert werden, aber man muss sich bewusst sein, dass jede diese Faulheiten, eine Situation realistisch und logisch aufzuklären, das Potential besitzt, LeserInnen aus der Welt zu reißen und zu verärgern.

 

Recherche vernachlässigen!

Unabhängig davon, ob die Geschichten und Figuren in einer realen oder fiktiven Welt spielen, man wird als AutorIn meist nicht drumherum kommen, aktiv Recherche zu betreiben, die — je nach Aufwand — auch einmal mehrere Tage und Wochen beanspruchen kann. Sei es ob man bei Thrillern überlegen muss, wie Morde geschehen und aufgeklärt werden können, bei historischen Romanen wie das Setting dargestellt wird oder ob ausgesuchte Schauplätze überhaupt wirklich existieren.

Das alles fordert ein gewisses Maß an Motivation, sich in die Materie einzuarbeiten und sich mit solchen Fakten zu beschäftigen. Unterlässt man dies, kann es bei einem Teil der Leserschaft für Verwirrung und damit zu einem Verlust der Leserbindung führen, wenn das Wissen der LeserInnen die Behauptungen und Inhalte eines Buches als unwahr oder unrealistisch entlarven.

Natürlich muss nicht jeder Ort perfekt bis ins kleinste Detail beschrieben werden und als AutorIn besitzt man durchaus einige Freiheiten, aber dann muss bereits früh deutlich gemacht werden, dass nicht jedes Wort der Beschreibungen und Umgebungen auf die Goldwaage zu legen ist. Schreibt man sich beispielsweise groß auf die Fahne, einen Roman in der Stadt Köln spielen zu lassen und benennt bekannte Orte innerhalb der Stadt falsch, weil man sich nicht genug damit auseinandergesetzt hat, wird es schnell peinlich. Insbesondere in Zeiten von Social Media, in denen solche Fehler leicht öffentlich gemacht werden, kann man leicht zum Gespött werden, wenn man beispielsweise von einem “Leipziger Dom” spricht, es aber in Leipzig gar keinen Dom gibt. Gleiches gilt natürlich nicht nur für Orte, sondern auch für historische Ereignisse und Personen, für biologische und chemische Fakten, sowie den ganzen Bereich der Allgemeinbildung z.B. in Bezug auf Erdkunde, Politik, Sport und Kultur. Wenn man etwas in einem Buch behauptet, das nicht die Handlung oder eine fiktive Figur betrifft, sollte man sich sicher sein, dass es der Wahrheit entspricht oder man könnte LeserInnen dazu animieren, verwundert den Kopf zu schütteln und sich emotional vom Geschriebenen zu entfernen.

 

Mangelnde Stringenz im Figurenverhalten!

Figuren sind das Salz in der Suppe einer jeden Geschichte und besitzen für LeserInnen eine große Bedeutung für das eigene Lesevergnügen, da sie sowohl als Identifikations- als auch als Projektionsfläche fungieren und bestenfalls so strukturiert sind, dass sie möglichst vielen LeserInnen etwas geben. Innerhalb der Geschichte wird man als AutorIn eine Reihe an positiven wie auch negativen Charaktereigenschaften jeder dieser Figuren zugestehen und auch Verhaltensweisen offenlegen, die für diese Figur typisch sind. Zu einem Bruch mit der Glaubwürdigkeit kommt es dann jedoch, wenn sich eine etablierte Figur völlig wider ihrer Natur verhält und das offenkundig nur, um eine bestimme Rolle innerhalb der Geschichte zu erfüllen oder eine neue Plotentwicklung einzuleiten.

Figuren sollten so echt wie nur möglich wirken und wenn man sich als AutorIn die Mühe macht, LeserInnen eine fiktive Person mit all ihren Facetten zu präsentieren, sollte man deren Charakterzüge auch stringent verfolgen. Nur in den Fällen, in denen die Figur auf eine neue Situation stößt oder mit etwas konfrontiert wird, das sie völlig überfordert, kann sie ein wenig aus ihrem Charakterkorsett ausbrechen. Aber auch dann sollte die dargestellte Person in einem gewissen Rahmen ihrer eigenen Persönlichkeit agieren. Wenn eine Figur eine ganze Geschichte über z.B. immer als ruhig, schüchtern und introvertiert präsentiert wird, sollte sie nicht ohne Grund auf einmal ausrasten und das genaue Gegenteil darstellen, da LeserInnen dann zurecht sagen würden: “das passt gar nicht zu X”.

Ausnahme: Eine Figur besitzt eine Rolle, die weder LeserInnen noch den Personen innerhalb des Buches zu Beginn offenbart wird, sei es weil die Figur insgeheim z.B. böse ist oder sich schlichtweg verstellt hat. Wird also bloß ein Charaktermuster vorgespielt, um im weiteren Verlauf des Buches enttarnt zu werden, kann man nicht von einem Bruch in der Stringenz des Figurenverhaltens sprechen, da andere Figuren als auch die LeserInnen bewusst hinters Licht geführt wurden, um z.B. Spannung und Wendepunkte zu erzeugen.

 

Mangelnde Stringenz in den Regeln der Welt!

Eng verknüpft mit der notwendigen Glaubwürdigkeit des Figurenverhaltens, sind AutorInnen auch gut damit bedient, die eigene Welt ernst zu nehmen und die etablierten Regeln beizubehalten. Jedes Buch, unabhängig vom Genre, kommt mit einer eigenen Palette an internen Regeln daher, ob sie nun aktiv genannt oder nur durch die Darstellung der Welt impliziert werden. Wichtig ist nur, dass sie, sofern sie logisch und nachvollziehbar sind, als unabänderliche Grundgesetze des jeweiligen Buches gesehen werden und dabei helfen, die zuvor angesprochene Sicherheit und Geborgenheit zu erreichen.

Ein Einhalten eben jener Regeln der eigenen Welt zeigt den Respekt vor dem eigenen Schreiben und gibt LeserInnen die Möglichkeit, selbst ein Teil der Welt zu werden, indem sie alles darin befindliche als echt ansehen und es sich auch so anfühlt. Missachtet man aber die eigenen Regeln, bricht sie und ändert sie immer wieder und wieder, um beispielsweise den Plot in eine neue Richtung zu lenken, Logiklücken zu füllen oder ein anderes Genre zu integrieren, reißt man LeserInnen aus der Welt raus und anstatt begeistertes Umblättern, wird man nur Kopfschütteln ernten. Schlimmstenfalls kann eine Vielzahl an unglaubwürdigen Stellen sogar dazu führen, dass man das Buch genervt abbricht, da Brüche mit der Welt meist automatisch dazu führen, dass man diese nicht mehr emotional an sich heranlassen kann, sondern sich sogar von ihr distanziert.

So ist es beispielsweise wenig glaubwürdig, wenn in einem Historiendrama auf einmal technische Elemente existieren, die noch gar nicht erfunden oder wenn sich Protagonisten in einem ernsten Thriller auf einmal magischer Fähigkeiten bedienen, von denen vorher nie die Rede waren. Auch bei Liebesromanen sollten Elemente wie z.B. Fabelwesen maximal Teil der Traumwelt der Figuren sein, nicht aber in der Realität auftreten, wenn man nicht — und das ist der entscheidende Punkte — vorher solche Wesen als Teil eben jener Romanwelt etabliert hatte.

Ausnahme: Sowohl bei Harry Potter als z.B. auch bei Märchen gibt es eine realistische und auch eine fantastische Ebene, die sich allerdings erst durch den weiteren Verlauf der Handlung offenbaren, vermischen und von Anfang an Teil der Buchwelt waren, selbst wenn LeserInnen und die einige der Figur davon noch nichts wussten. Hierbei wurden aus dramaturgischen und handlungsrelevanten Gründen schlichtweg noch nicht alle Regeln der gesamten Buchwelt offenbart, sondern werden nach und nach (wie z.B. bei Harry Potter) vom Protagonisten entdeckt. Auch hier kann man nicht von mangelnder Stringenz sprechen, da der volle Umfang an Regeln während des Verlaufs des Buches bekannt gemacht wird und nicht etwas— wie etwa beim Lazy Writing — nur Mittel zum Zweck/Überbrückung einer Plot-Schwachstelle ist.

 

Fazit

Das Vertrauen von LeserInnen ist eines der kostbarsten Güter, die sie uns AutorInnen schenken können. Immerhin sind sie es, die ihr hart verdientes Geld in uns und unsere Geschichten investieren und daher muss es die Aufgabe eines jeden Autors und einer jeden Autorin sein, jenes Vertrauen nicht auf’s Spiel zu setzen, zu erschüttern oder gar völlig zu verlieren. Bemüht man sich, alle Handlungen eines Buches ebenso genau zu durchdenken wie das Verhalten der Figuren und dazu sowohl die eigene Welt, das eigene Schreiben und vor allem dem Denkvermögen von LeserInnen ein hohes Maß an Respekt und Achtung entgegen zu bringen, kann die anfangs wackelige Bindung zwischen ihnen und uns stabilisiert und verstärkt werden. So kann ein wunderbares und für beide Seiten funktionierendes LeserIn-AutorIn-Verhältnis entstehen, das lange Bestand hat. Und ist es nicht genau das, was wir uns alle wünschen?

 

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