Zur AutorInnengemeinde zu gehören, kann ein wunderbares Erlebnis sein: man hilft sich gegenseitig bei Schreibproblemen, erzählt von Plot-Ideen, begeistert sich mit der Entwicklung von Figuren und teilt die Liebe zum Schreiben. Schreibtreffen können ebenso gebildet, wie Leid und Freud des AutorInnendaseins miteinander geteilt werden.

Ein Puzzlestück einer Gemeinschaft zu sein, bedeutet aber auch, sich bewusst wie unbewusst mit den anderen Mitgliedern  dieser Gemeinschaft zu vergleichen und sich auf sozialer Ebene positionieren zu wollen. Wie bei jeder Gruppe sucht man eine eigene Identität und Rolle in dem Gefüge der unterschiedlichen Menschen und versucht zu ergründen, auf welcher Ebene man sich im direkten Miteinander befindet.

Im Laufe dieses Findungsprozesses kann es dann vorkommen, dass man sich, aus den unterschiedlichsten Gründen, nicht auf der gleichen Stufe wie das Gegenüber sieht und sich deswegen tiefer positioniert, als es eigentlich nötig wäre. Man stellt sich schlichtweg etwas weniger gut dar und verlässt freiwillig die Augenhöhe, um sich selbst, wenn teilweise auch nur minimal, abzusenken. Dies kann sich unter anderem durch sprachliche Mittel wie zum Beispiel Bezeichnungen oder dadurch äußern, dass man Wörter hinzufügt, die eine abschwächende Funktion besitzen.

Um ein Umdenken zu schaffen und zu mehr Selbstbewusstsein aufzurufen, werden drei Varianten dieser Herabstufungen ebenso im Zentrums dieses Beitrags stehen, wie die kritische Betrachtung ihrer Notwendigkeit und Sinns. Namentlich wird der Frage nachgegangen, ab wann man sich eine AutorIn nennen kann, warum die Bezeichnung „Schreiberling“ hinderlich ist und warum das Wort „nur“ nichts vor „Selfpublishing“ zu suchen hat. 

Viel Vergnügen!

Ab wann ist man AutorIn?

Eine Frage, die jeden von uns, der schreibend tätig ist, insbesondere in der Anfangszeit begleitet: ab wann kann man mit Selbstbewusstsein davon sprechen, ein Autor bzw. eine Autorin zu sein? Laut der Definition des Dudens, sind AutorInnen Verantwortliche „eines Werkes der Literatur, eines Textes“. Demnach hat man sich diese Bezeichnung bereits dadurch erarbeitet, indem man Gedanken- wie auch Schreibprozesse durchlaufen hat und zu einem Ende gekommen ist. Wer also einen Text schrieb, ist AutorIn gemäß des Dudens. 

Thema abgehakt, oder? 

Leider nein, denn es gibt auch noch die persönliche Interpretation des Wortes „AutorIn“, die diese Silben beinahe zu einem Titel adligen Ranges werden lassen: AutorIn darf sich ausschließlich nennen, wer eine Veröffentlichung vorweisen kann. 

Wer also einen Text schrieb, ihn aber nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte, kann sich nicht als „AutorIn“ bezeichnen, so zumindest die Argumentation derjenigen, die diesen Titel nicht nur durch das eigene Schreiben, sondern durch weitere Schritte zu erarbeiten gedenken. Im Zuge dessen wird auch noch zu abschwächenden Varianten gegriffen wie „angehende(r) AutorIn“, „AutorIn in Ausbildung“ oder die automatische, ungefragte Ergänzung „ja, aber noch nichts veröffentlicht“ auf die Frage, ob man AutorIn sei.

Dies alles sind sprachliche Mittel, um ja nicht mit denen verglichen zu werden, die bereits ein Buch veröffentlich haben, sei es aus Angst vor qualitativen Unterschieden, dem Erwartungsdruck, wenn man sich diesen Titel gibt, oder der Sorge um das eigene Scheitern, wenn das Schreiben oder man selbst als SchreiberIn noch nicht die Stufe erreicht hat, die würdig genug für diesen Titel erscheint. 

Doch was genau zählt eigentlich als Veröffentlichung, die anscheinend so elementar wichtig ist? Reicht es bereits, wenn man Verlage anschrieb und die das Buch dann in den Handel bringen? Ist es der Selfpublisher-Weg des Uploads bei Neobooks, Epubli oder Amazon KDP? Was genau wäre bei beiden die AutorInnentätigkeit, außer darauf zu warten, dass andere Menschen das Buch, das man fertiggeschrieben hat, verfügbar machen oder einen Upload-Knopf zu drücken? Beide Varianten haben doch herzlich wenig mit den Prozessen zu tun, die man durchläuft, wenn man einen Text schreibt.

Nichtsdestotrotz bleibt die Veröffentlichung als Qualifikation für den Rang des Autors bzw. Autorin erhalten. Da erscheint es sinnig, sich einmal zu betrachten, was diese Hürde eigentlich bedeutet:

Folgt man dem deutschen Urheberrecht, steht „Veröffentlichung“ nicht nur für den Prozess, ein Buch in einer Buchhandlung erhältlich, sondern generell ein „Werk der Öffentlichkeit zugänglich“ zu machen. Das Urheberrecht erweitert den Begriff der Veröffentlichung also wesentlich und begrenzt ihn nicht nur darauf, dass das Werk käuflich verfügbar sein muss. Im Grunde lässt sich sogar von einem veröffentlichten Text sprechen, sobald man ihn auf Seiten wie Wattpad.com oder dem eigenen Blog online stellt, ihn also von der Privatsphäre in eine gesellschaftliche Öffentlichkeit bringt. 

Wenn es nun aber so einfach ist, einen Text als veröffentlicht ansehen zu können, ist es fragwürdig, inwiefern eine Veröffentlichung als Maßstab dienen kann, um sich selbst anders zu positionieren, als andere AutorInnen, die diese Bezeichnung auch für sich nutzen.

Haben nicht beide bei jedem einzelnen Text ähnliche Schreibprozesse durchlaufen? Kennen nicht beide Probleme wie Plotholes, Schreibblockaden, Schwierigkeiten, die Handlung zu strukturieren und verbringen nicht alle AutorInnen viel Zeit damit, den Geschichten in ihren Köpfen Leben einzuhauchen und Herzblut in die Figuren, sowie Handlung zu investieren? Auch wenn sich die Themen und Herangehensweisen unterscheiden mögen, sind wir doch alle während des Schreibens und den damit verbundenen Erlebnissen miteinander verbunden, daher „sapere auctoris“: Wage es, dich AutorIn zu nennen.  Du hast es dir verdient!

AutorIn oder Schreiberling?

Eine weitere sprachliche Herabstufung, die man speziell in den sozialen Medien häufig sieht und liest, ist die Vermeidung des Wortes „AutorIn“ zugunsten einer verniedlichten Form: Schreiberling. Dieser Bezeichnung wohnt etwas Unschuldiges inne, beinahe kindlich mutet der Begriff an und ist besonders in jüngeren Jahren durchaus verständlich, da man sich in dieser Zeit kaum selbst gefunden hat und daher umso mehr daran zweifelt, eine eigene AutorInnen-Identität ausgebildet zu haben, inklusive eines individuellen Schreibstils, eines Themenportfolios und dem Verständnis, wie Menschen — und damit auch Figuren — aufgebaut sein können. Wer also jungen Alters ist, hat jedes Recht der Welt, sich als Schreiberling zu bezeichnen.

Wenn sich aber erwachsene Menschen, die sich und ihre eigene Schreib-Persönlichkeit gefunden haben, davor scheuen, sich selbst AutorIn zu nennen und lieber in abschwächenden Form des Schreiberlings verbleiben, entsteht schnell der Eindruck, man habe Zweifel am eigenen Schreiben, sei unsicher und sieht sich nicht bereit dafür, das Gewicht des Wortes „AutorIn“ zu tragen. Es wirkt, als mangele es an Ernsthaftigkeit und das wiederum kann sich negativ auf mögliche LeserInnen auswirken, die eher Bücher bevorzugen, die mit ernsthaftem Interesse an den eigenen Figuren und der Handlung geschrieben wurden. 

Die verniedlichte Form erweckt zudem den Eindruck, als sähe man sich selbst und das eigene Schreiben so niedrig in der fiktiven Rangordnung der AutorInnengemeinschaft, dass man sich unmöglich als „AutorIn“ bezeichnen könnte, ohne einen Lachanfall zu bekommen oder den „wirklichen“ AutorInnen Unrecht zu tun. Alle diese unterschiedlichen Wahrnehmungen erschaffen kein positives Selbstbild eines schreibenden Menschen und wenn man anscheinend schon selbst nicht von sich überzeugt ist, warum sollten es dann andere Menschen, möglicherweise sogar LeserInnen sein?

Zusätzlich bringt man sich in die Verlegenheit, vom Gegenüber nicht in der Form ernstgenommen zu werden, wie man es eigentlich durch die komplizierten Prozesse des Schreibens verdient hätte. Ein Vergleich mit verniedlichten Variationen anderer Berufskreise macht diese Herabstufung deutlich: Wachtmeisterchen, Politikerling, Handwerkerlein, Hausfrauchen, Doktorlein, Chefchen. Nicht sonderlich respekteinflößend, oder?

„Schreiberling“ ist eine Bezeichnung, die man zu Beginn der Schreibkarriere gerne annimmt und für sich selbst beansprucht, aber es ist ratsam, dieser Bezeichnung irgendwann zu entwachsen und sich selbst als das zu sehen, sowie auch zu benennen, was man ist: ein Autor bzw. eine Autorin. Es ist immerhin — wie im vorherigen Thema bereits aufgezeigt — kein Titel, der eine große Last auf die eigenen Schultern ablädt, sondern lediglich die Tatsache umschreibt, dass man Texte verfasst. Ob diese Texte dann gut oder schlecht sind, speziell im Vergleich mit anderen AutorInnen, ist für die Bezeichnung selbst nicht von Belangen. Es zählt einzig und allein, die einzelnen Schritte von der Planung über die Ausführung bis hin zum finalen Produkt zu durchlaufen. Wer schreibt, ist Autor. 

Daher ist es empfehlenswert, sich selbst und die vielen Stunden an Arbeit, die man in die eigenen Geschichten und Figuren investiert hat, für voll zu nehmen und sich ebenso wertzuschätzen, wie man die eigene Arbeit wertgeschätzt wissen will. Immerhin hat man mit einem fertigen Buch etwas geschafft, was sich viele Millionen Menschen auf der Welt wünschen — ein eigenes Buch! — aber aus den verschiedensten Gründen nicht realisieren konnten. Ein eigenes Buch zu schreiben, ist ein schwieriges Unterfangen, an dem viele Menschen scheitern bzw. bereits scheiterten. Umso höher ist es einzuschätzen, wenn es einem gelungen ist, diesen Berg zu erklimmen und den Kampf gegen sich selbst und die vielen Schreibprobleme zu gewinnen. Das verlangt Respekt, vor allem vor sich selbst und der eigenen Leistung!

NUR Selfpublishing

Frage: »Du bist AutorIn? Wow! So richtig mit Veröffentlichung und so?«

Reaktion: »Ja, aber nur Selfpublishing.«

NUR Selfpublishing – Eine Antwort, die in der Form vor einigen Jahren noch präsenter war, aber weiterhin erlebt man immer mal wieder diesen Reflex, die eigene Leistung als Selfpublisher herabzustufen und sich, vermutlich im Vergleich mit Verlags-AutorInnen, nicht mit ähnlich breit geschwellter Brust als AutorIn im klassischen Sinn zu bezeichnen. Anstatt sich voller Stolz dazu zu bekennen, dass das eigene Buch käuflich erhältlich ist und dafür Werbung zu machen, verringert man die eigene Leistung ohne jede Not.

Woher stammt dieser Impuls, sich selbst herabzustufen? Sind Selfpublisher etwa weniger wert als solche, die über einen Verlag veröffentlichen?

 Aus Sicht von Verlagen möglicherweise, aber ist es für LeserInnen wirklich von Bedeutung, wie das Buch vertrieben wurde — ob über Verlage oder durch den Eigeneinsatz der AutorInnen? Bestimmt nicht. 

Einzig die Qualität der Bücher ist entscheidend und da sich die gesamte Selfpublisher-Szene mehr und mehr professionalisiert, werden die Unterschiede auf inhaltlicher Ebene zwischen den beiden Lagern immer marginaler. Was früher eventuell noch ein von tausenden Fehlern bewohnter Schund war, gibt es inzwischen unzählige SelfPub-Werke, die sich weder von ihrer Aufmachung noch von ihrem inneren Potential von Verlagsbüchern unterscheiden.

Woran liegt es die Schieflage dann, wenn es keine inhaltlichen Gründe gibt?

Möglicherweise spielt das alte Vorurteil eine Rolle, dass SelfpublisherInnen nichts anderes als gescheiterte AutorInnen seien, deren Manuskripte von Verlagen als “zu schlecht“ beurteilt wurden und man deswegen gezwungen wäre, das Buch selbst auf den Markt zu bringen. 

Doch wie so üblich bei Vorurteilen wird auch in diesem Fall die Wirklichkeit verklärt und falsch dargestellt. Die Wahrheit ist: Selfpublisher zu werden, kann dutzende Gründe haben, angefangen bei der völligen Freiheit des Vertriebs über der Kontrolle über die innere wie äußere Gestaltung des eigenen Buchs bis hin zu finanziellen Vorteilen, da man den Preis — und damit den Gewinn — selbst festlegen kann. Natürlich gibt es auch Selfpublisher, die ihr Glück bei Verlagen versucht haben und keine Zusage erhielten, aber selbst Harry Potter wurde ein dutzend Mal von Verlagen abgelehnt. Das muss nicht immer ein Zeichen von mangelnder Qualität sein. 

Und überhaupt sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass VerlagsautorInnen ebenso wie SelfpublisherInnen während des Schreibens die gleichen Prozesse durchlaufen. Lediglich die Art des Vertriebs unterscheidet sich. Wenn beispielsweise ein Buch geschrieben wird, ist die Qualität der Sätze, Handlungen oder der Figuren nicht davon beeinflusst, ob es später durch einen Verlag oder einen der Selfpub-Anbieter zu LeserInnen gebracht wird. 

Aus diesem Grund erscheint es wenig sinnvoll, sich die Blöße zu geben und das Wort „nur“ vor Selfpublishing zu setzen, immerhin sagt die Art des Vertriebes nichts über den Wert des Buches aus. Sowohl auf Seiten von Verlagsbüchern wie auch bei Selfpublishern gibt es qualitative Höhen wie Tiefen. 

Wenn überhaupt sollte man sich als Selfpublisher sogar selbstbewusst präsentieren, denn durch diese Wahl hat man den deutlich schwierigeren Weg beschritten. Während Verlage Elemente wie Marketing, Verfügbarkeit, Coverdesign und Verbreitung übernehmen, müssen sich Selfpublisher selbst um alle diese Dinge kümmern — zusätzlich zum eigenen Schreiben versteht sich. Dazu treten sie meist in eine finanzielle Vorleistung, in dem sie Lektorat und Coverdesign aus der eigenen Tasche bezahlen und sich so leicht niedrige vierstellige Beträge anhäufen, die es erst einmal wieder zu erwirtschaften gilt. 

Wer sich allen diesen schwierigen Hürden stellt und sie sogar auch noch meistert, sollte sich nicht gezwungen fühlen, sich herabzustufen. Selfpublishing ist der um einiges beschwerlichere Weg von der eigenen Festplatte in die Hände der LeserInnen und verdient ein hohes Maß an Respekt. Aus diesem Grund sollte der Dialog vom Anfang eher so aussehen:

»Du bist AutorIn? Wow! So richtig mit Veröffentlichung und so?«

»JA!«

Fazit

Letztendlich steht es jedem Autor und jeder Autorin frei, sich selbst in das Gefüge der Schreibgemeinschaft einzufügen und zu positionieren. Dennoch ist es wichtig, den deutlichen Hinweis zu geben, dass es keinen Grund für eine Art Klassensystem gibt, in der vermeintlich „richtige“ AutorInnen über den angehenden oder den Schreiberlingen stehen und auch Selfpublisher haben keinen Anlass, sich sprachlich kleiner zu machen im Vergleich mit den Verlagsautoren. Fakt ist: Jeder von uns, der schreibend tätig ist, verdient in gleichem Maße Respekt und Achtung dafür, den Problemen des Schreibens ins Auge zu blicken und nicht die Flucht zu ergreifen oder aufzugeben, so wie viele andere Menschen es im Angesicht der großen Herausforderung bereits taten und weiterhin tun werden. Wir, als schreibende Zunft, sind in der Sache gleich, dass wir unser Herzblut in die Geschichten legen. Deswegen sollten wir uns auch alle als gleichwertige Teile der AutorInnengemeinschaft sehen und uns auf Augenhöhe begegnen. 

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