Im heutigen Beitrag wird es darum gehen, einige gängige Fehler zu durchleuchten, die viele Menschen machen und sie anschließend zu testen.

Dieses Schreibtraining ist der erste Blog einer unregelmäßigen Reihe, in der bestimmte Problemfelder wie Rechtschreibung, Zeichensetzung, rhetorische Mittel, Syntax und andere Themenfelder aufgezeigt und verbessert werden sollen. 

Für den heutigen Blog wurden eine Reihe an typischen Fehlern ausgewählt, die vielen von uns arge Probleme bereiten und daher soll zuerst eine Erklärung erfolgen, die dann mit Beispiel veranschaulicht wird. Anschließend gibt es immer wieder einige Testfragen, die du für dich selbst beantworten kannst (kleiner Tipp: Zettel & Stift wären hierbei nützlich :)). Die Lösungen stehen ganz unten!

Bevor es losgeht noch ganz wichtig: Niemand von uns beherrscht die deutsche Sprache in absoluter Perfektion, daher lass dich nicht davon verunsichern, wenn du mit einigen der kommenden Gebiete Probleme hast. Sieh es positiv: hier bekommst du die Chance, die Probleme für immer abzustellen!

Los geht’s!

Seit/seid

 

Während die eine Variante einen Hinweis auf einen Zeitpunkt oder einen Zeitraum gibt, handelt es sich bei der anderen um eine Form des Verbes “sein”. Auf inhaltlicher Ebene unterscheiden sich die Worte also, aber leider klingen sie gleich, was es schwierig macht, sie auseinander zu halten. Welche der beiden Möglichkeiten steht denn für was und wie kann man das leicht herausfinden?

Hierfür zwei kleine Eselsbrücken:

Seit schreibt man mit einem “t” am Ende ähnlich wie “Zeit”. Auch das englische Wort “time”, besitzt ein “t” und bedeutet ebenfalls “Zeit”. Wenn man sich das merkt, ist das schon die halbe Miete! 

Seid schreibt man mit einem “d”, ähnlich wie das Wort “Dasein” und man kann sogar beides zu einer Frage verbinden, die auch noch den richtigen Gebrauch zeigt:

 „Seid ihr da?”. In diesem Beispielsatz wird deutlich, dass “seid” mit einem “d” geschrieben werden muss, da kein Zeitpunkt oder Zeitraum beschrieben wird.

Test

1. Ich weiß gar nicht, ____ wann wir uns kennen.  

2. ___ Ihr denn komplett wahnsinnig geworden?

3. Ich finde, ____ du da bist, ist alles besser geworden!

 

Dass/das

Diese zwei Wörter bereiten sogar noch mehr Probleme als “seit/seid”, da sie ähnlicher klingen und beide einen Nebensatz einleiten, somit auch in ihrer Funktion noch schwerer zu unterscheiden sind. 

 Während das Wort “das” mit einem “s” als Artikel wie in “das Auto” eher selten mit “dass” verwechselt wird, sieht die Situation mitten im Satz schon deutlich schwieriger aus. Hierfür zwei Beispiele:

1. Da vorne steht das Haus, ___ der Familie Schulz gehört.

2. Ich glaube, ____ ich falsch liege.

Was wäre hier korrekt? 

Es gibt einen relativ einfachen Weg, die richtige Lösung herauszufinden: wenn man in die Lücke entweder “welches” oder “was” einsetzen kann, dann muss man “das” mit nur einem “s” benutzen. Der Grund hierfür liegt darin, dass “das” in dieser Funktion ein Relativpronomen ist und dadurch ebenso wie “welches” und “was” das Wort direkt vor dem Komma (meistens ein Nomen/Substantiv) näher beschreibt. 

Ergibt der Satz aber keinen Sinn mehr, wenn man “welches” oder “was” nimmt, muss man “dass”  einsetzen.  

In den eben benutzten Beispielen bedeutet diese kleine Unterscheidung also, dass bei Nummer 1 “das” und bei Nummer 2 “dass” eingesetzt werden müsste. 

Test:

4. Sie ist der Ansicht, ___  sie es einfach machen muss.

5. Da vorne steht das Pferd, ___ wir gestern schon gesehen haben

6. Es ist schon eine Frechheit, ___ du wirklich so spät kommst!

7. Woher sollte sie wissen, ___ sie das Ticket hätte abstempeln müssen?

Als/wie

Bei diesem Problemfall ergibt sich die Schwierigkeit daraus, dass die Wörter zwar unterschiedlich geschrieben werden und auch unterschiedlich klingen, aber eine sehr ähnliche Verwendung haben, denn man benutzt beide, wenn man Personen, Dinge oder Eigenschaften miteinander vergleichen möchte. Hierbei herrscht leider nicht selten der Eindruck, es sei egal, ob man “als” oder “wie” benutzt, weil man die Worte für Synonyme hält. Dem ist allerdings nicht so; es gibt sogar feste Regeln, wann man “als” und wann “wie” verwenden darf. Hier zwei Beispiele, in denen sie bereits richtig benutzt werden:

Markus ist größer als Stefan.

Marie ist genauso groß wie Julia. 

Was fällt hierbei auf?

“Als” wird dann verwandt, wenn die zwei zu vergleichenden Dinge auf unterschiedlichen Ebenen sind wie z.B. etwas ist größer, kleiner, zerbrechlicher, besser, schlechter, etc. als etwas anderes. 

“Wie” wird hingegen immer dann benutzt, wenn die zwei Gegenstände/Personen/Eigenschaften auf gleicher Ebene sind.

Test:

8. Gisela ist viel reifer ___ du.

9. Wasabi ist ähnlich scharf ___ Chilis.

10. Lieben bringt mehr Freude __ hassen.

Tod/tot

Dieser typische Fehler mag so, wie er im Titel steht, nicht sonderlich kompliziert erscheinen, immerhin bezeichnet “Tod” doch das Nomen und “tot” das Adjektiv. Also kein Problem, oder? Leider doch, denn was ist mit Wörtern wie 

tod-/totschick?

tot-/todernst?

(Zeit) tot-/todschlagen?

Woher weiß man, wann man “tot” oder eher “tod” als Vorsilbe benutzen muss?

Hier gibt es eine Regel, die man sich merken kann:

Handelt es sich bei dem Wort um ein Verb, dann nutzt man “tot” wie bei “sich totlachen”, weil man im übertragenen Sinne solange lacht bist man selbst die Eigenschaft besitzt “tot” zu sein.

Handelt es sich aber um ein Adjektiv, dann nimm “tod”, wie bei “todernst”.

Test:

11. Ich bin echt __müde!

12. Das sollten wir lieber __schweigen.

13. Leider ist er __krank.

Dasselbe/das Gleiche

Es ist wirklich die Königsdisziplin von typischen Fehlern und noch dazu keineswegs einfach zu erklären. Beides klingt zwar unterschiedlich, meint aber vergleichbare Dinge. Es geht vor allem um die Frage, ob es einen Gegenstand einfach oder mehrfach gibt. Klingt kryptisch? Zwei Beispiele werden das verdeutlichen und zeigen, welches der beiden Worte welche Bedeutung besitzt:

Beispiel 1: Zwei Frauen sitzen in einer Bar nebeneinander. Zwischen ihnen steht ein Glas Whiskey. Die Frau links vom Glas trinkt daraus. Wenig später auch die Frau rechts neben dem Glas aus eben jenem Glas. —> Es gibt nur ein Glas, beide tranken daraus, also nutzen beide dasselbe Glas.

Beispiel 2: Zwei Männer betreten eine Bar. Sie beide tragen jeweils ein blau-kariertes Hemd. —> Die Männer tragen das gleiche Hemd, weil es zwei gibt. “Dasselbe” hieße an dieser Stelle, dass die Männer zusammen nur ein Hemd tragen würden.

Kurzum: “dasselbe” wird verwendet, wenn nur eine einzige Sache gemeint ist.  “Das Gleiche” wird benutzt, wenn es mehrere Gegenstände in der jeweiligen Situation gibt. 

Test:

14. Steven und Lena wurden beide am 23. Oktober 1989 geboren. Ihr Geburtstag ist als am ___ Tag. (selben/gleichen?)

15. Tina und Jenny gehen beide zur Friedrich-Schiller-Grundschule. Sie gehen also auf die _____ Schule. (selbe/gleiche?)

16. Tim und Tom haben den ___  Rucksack dabei. (selben/gleichen?)

Deppenapostroph

= Julias Hund vs Julia’s Hund

Ein Fehler, den man in jüngster Zeit immer öfter sieht und hört, aber was genau steckt hinter dieser wenig schmeichelhaften Bezeichnung? 

Aufgrund des zunehmenden Einflusses der englischen Sprache auf das Deutsche und weil Kinder bereits in der Grundschule Englisch und Deutsch beinahe parallel lernen, können sich manche Dinge vermischen, wie z.B. Wie man das Genitiv-s richtig benutzt. Im Englischen ist es gang und gäbe, ein Apostroph und ein “s” zu benutzen, während man in der deutschen Sprache nur in Ausnahmefällen ein Apostroph nutzt. Um das zu illustrieren zwei Beispiele:

Ein korrekter Satz: Das ist Timos Fahrrad. 

Der (falsche) Satz mit “Deppenapostroph”: Das ist Timo’s Fahrrad.

Im Deutschen setzt man kein Apostroph, wenn man Besitztümer zeigen will, sondern man fügt schlichtweg ein “s” an das Ende des Namens hinzu. Einzige Ausnahme bilden hierbei Sätze, in denen die Namen bereits von sich aus ein “s” am Ende haben. Dann setzt man ein Apostroph hinter das “s”, wie in diesem Beispiel: ” Das ist Andreas’ Fahrrad.”

Test:

17. Maria__ Auto steht hier schon eine ganze Weile.

18. Woher kommen eigentlich Frank__ Millionen?

19. Ich kann mir nicht länger Markus__ Vortrag anhören!

Absolutadjektive

Gerade in Deutschland geben wir uns — vor allem sprachlich — selten mit weniger als dem Superlativ (= höchste Steigerung eines Adjektivs) zufrieden. Immer muss es das beste, größte, schönste, tollste Irgendwas sein, um die Aufmerksamkeit auf eine Person oder Produkt zu lenken. Bei einer solchen Sehnsucht nach dem höchsten Maß bleibt es aber nicht aus, dass man in einer Superlativflut etwas zu weit galoppiert und alle Adjektive ins Unermessliche steigern möchte, obwohl das nicht bei jedem Eigenschaftswort möglich ist.

Es gibt in der deutschen Sprache eine Reihe von Wörtern, die man als “Absolutadjektive” bezeichnet, weil sie nicht steigerbar sind. Beispiel: perfekt. Wenn etwas oder jemand als “perfekt” beschrieben ist, bedeutet das bereits, dass die höchste Stufe erreicht wurde. Deswegen ist es falsch, dieses Wort noch zu steigern. Es ist entweder da oder nicht, ganz oder gar nicht, ähnlich wie bei dem Wort “schwanger”. Entweder man ist es oder nicht. 

Gleiches gilt auch zum Beispiel für das Wort “einzig”. Wenn eine Person/Situation die Einzige ist (also nicht mehr sonst vorkommt), dann ist das Adjektiv nicht steigerbar. Das gern benutzte Wort “einzigste” existiert nicht. 

Test: Steigerbar? Ja oder nein?

20.  voll      21. schlau        22. tot       23. optimal         24. leer

Anscheinend vs scheinbar

Zwei Wörter deren individuelle Bedeutungen (und damit Unterschiede) beinahe vollkommen verschwunden sind und deswegen in der heutigen Zeit als Synonyme verwendet werden. Dabei mögen die beiden Wörter ähnlich aussehen und dadurch ist die vermutete Bedeutungsgleichheit sicherlich nachvollziehbar, aber dennoch haben sie völlig unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Bedeutungen.

“Anscheinend” bedeutet, dass man eine Vermutung äußert, aufgrund tatsächlicher Gegebenheiten, eben weil etwas den Anschein hat, es könnte stimmen.

Beispiel: John ist zu spät, anscheinend steckt er im Stau fest. 

Hier fungiert der von “anscheinend” eingeleitete Satz als durchaus plausible Erklärung, warum John zu spät ist. Ein Synonym für “anscheinend” wäre also “vermutlich”: „John ist zu spät, vermutlich steckt er im Stau!” Ergibt Sinn, oder ? Daher sollte man sich merken, dass “anscheinend” und “vermutlich” zusammenhängen.

“Scheinbar“ hingegen wird verwendet, wenn man eine Vermutung äußert, die sich aber nicht bewahrheitet. Beispiel:  „Scheinbar hörte Marcel seinem Freund zu, aber er dachte nur ans Essen”. Es wirkt also nur so, als sei etwas der Fall, aber das stellt sich dann als falsch heraus. Man kennt vielleicht auch den Ausspruch: “mehr Schein als sein”. Als Synonym für “scheinbar” bietet sich “angeblich/nur zum Schein” an. 

Test: Richtig oder Falsch?

25. Anscheinend sind “anscheinend” und “scheinbar” komplett identisch.

26. Das Handy ist kaputt, nachdem es ins Wasser gefallen ist. Scheinbar war es nicht wasserdicht.

27. Die Bäume biegen sich kräftig. Anscheinend stürmt es draußen.

LÖSUNG
 

Lösungen:

  1. seit
  2. Seid
  3. seit
  4. dass
  5. das
  6. dass
  7. dass
  8. als
  9. wie
  10. als
  11. tod
  12. tot
  13. tod
  14. selben
  15. selben
  16. gleichen
  17. Marias
  18. Franks
  19. Markus’
  20. Nein
  21. Ja
  22. Nein
  23. Nein
  24. Nein
  25. Falsch
  26. Falsch
  27. Richtig

Und? Wie viele Punkte hast du bei dem Test erreicht :)? Welche anderen Problemfelder der deutschen Sprache kennst du noch? Was soll ich noch behandeln:)? 

Kommentar verfassen