Dies ist bereits das vierte Schreibtraining und damit eine immer mal wieder fortgeführte Reihe dieses Blogs, in dem auf typische Fehler aufmerksam gemacht, Probleme mit der Zeichensetzung gelöst oder Hilfestellungen zu unklaren Sprachschwierigkeiten gegeben werden.

Hier findest du die Links zu den bisher erschienenen Schreibtrainings:

Schreibtraining #1 – Typische Fehler

Schreibtraining #2 – Typische Fehler

Schreibtraining #3 – Kommasetzung

SCHREIBTRAINING #4

In der heutigen Ausgabe wird es um eine Reihe an Problemen gehen, die im Zuge der bisherigen Schreibtrainings per Mail als Themenvorschläge angefragt/gewünscht wurden. Dieser Bitte soll nun einmal nachgekommen werden und das ist auch gleichzeitig der Grund, warum das Schreibtraining #4 unter keinem übergeordnetem Thema steht, sondern unterschiedliche Bereiche miteinander in Verbindung bringen wird. Eines bleibt jedoch selbstverständlich gleich: die Lösungen sind ganz unten zu finden, dieses mal unter dem BONUS, der aber selbst nicht zum Test zählt.

Viel Vergnügen!

 

Imperativ

Der Imperativ wird im Allgemeinen benutzt, um z.B. Appelle („Stoppt den Klimawandel!“), Ratschläge („Fahr vorsichtig!“), Warnungen („Pass auf!“), Verbote („Lass das!“) in einem Gespräch an eine andere Person zu richten. Es handelt sich hierbei immer, wie die Beispiele in den Klammern zeigen, um eine Aufforderung, daher nennt man den Imperativ auch die „Befehlsform“ (imperare= lateinisch für „befehlen“). Da man mit der Komplexität dieses Themas ganze Bücher füllen kann und das die Grenzen dieses Blogbeitrags sprengen würden, werden hier nur die allernötigsten Grundzuge erklärt:

Möchte man eine solche Form in der Kommunikation oder den eigenen Büchern benutzen, sind die Verben die wichtigsten Akteure, um aus einem normalen Aussagesatz eine Aufforderung zu machen. Entscheidend ist, sich zu merken, dass die Verben hier stets an eine Person („Du!“), eine Gruppe („Ihr!“) oder in Form des Höflichkeitspronomens „Sie“ gerichtet sind. Die Verwendung von „ich, er, sie es, wir“ kommt bei einem Imperativ nicht vor, da sie sich nicht von einer Person an eine andere in direkter Form richten.

Um einen Imperativ korrekt bilden zu können, muss man sich zweier Varianten bewusst sein:

1. Regelmäßige Verben

Diese Form der Verben bereitet in den seltensten Fällen Probleme, da sie, wie der Name schon vermuten lässt, immer regelmäßig, also gleich, gebildet werden:

Beim Pronomen „du“ wird das Verb verkürzt:

Fahren —> Fahr!

Laufen —> Lauf!

Bei „ihr“ wird ein „t“ zur ersten Silbe hinzugefügt :

Gehen —> Geht mir aus dem Weg!  

Kaufen —> Kauft das neue Album!

Bei „Sie“ wird die Wortfolge verändert und ein Teil des Satzes, um aus einer Aussage eine Aufforderung zu machen, die Verbform bleibt aber gleich:

 „Sie hören nicht zu“ —> „Hören Sie zu!“

„Sie stören mich!“ —> „Stören Sie mich nicht!“

 

2. Unregelmäßige Verben

Bei den unregelmäßigen Verben wird es leider etwas komplizierter da es zwei Formen gibt, die man kennen sollte, um sich viele Probleme zu ersparen:

1. Form: Die Unregelmäßigkeit — und dadurch auch das große Problem — ergibt sich dadurch, dass sich bei Verben dieser Art der Vokal ändert, wenn man die Form für die 2. Person Singular (Du!) benutzt.

Beispiele:

Geben —> Gib!        NICHT: Geb!

Lesen —> Lies!        NICHT: Les!

Bei „Ihr“ und „Sie“ werden die Verben wieder wie die regelmäßigen Verben gebildet:

Gebt! — Geben Sie!

Lest!— Lesen Sie!

2. Form: Anstatt wie bei den regelmäßigen Verben, das Wort nur zu verkürzen, wird bei der 2. Person Singular noch zusätzlich ein „-e“ an den Stamm des Wortes angehangen oder das „n“ bei einem Verben mit „-en“ am Ende verschwindet. Das sieht dann wie folgt aus:

Entschuldigen —> Entschuldige dich!    

Sammeln —> Sammle alles ein!

Reden —> Rede nicht so schnell!

Ein Sonderfall stellt das Wort „sein“ dar, das wie so gebildet wird:

Du:   Sei ruhig!

Ihr:   Seid still!

Sie:    Seien Sie leise!

Bleibt die Frage, woher man wissen soll, welches Verb regelmäßig und welches unregelmäßig ist. Hierfür müsste man sich aneignen, welche Verben generell als stark und welche als schwach angesehen werden. Starke Verben tragen diesen Namen, weil sie sich während der Konjugation stark verändern, während schwache Verben nur eine geringe Veränderung durchmachen. Die Seite mein-deutschbuch.de hat einmal eine hilfreiche Liste angefertigt, die für eine Vertiefung in dieses Thema eine gute Unterstützung darstellt:

http://mein-deutschbuch.de/starke-und-unregelmaessige-verben.html

 

Test: Bilde den Imperativ, achte auf die angesprochene Person in der Klammer

Beispiel: Rennen + nicht + so schnell (ihr) = Rennt nicht so schnell!

1. Helfen + mir (du) =

2. Laufen + nicht weg (Sie)=

3. Streiten + nicht (ihr) =

4. Verderben + nicht + Magen (du) =

5. Sein + endlich still (ihr) =

6. Lösen + diese Aufgabe (Sie) =

 

Nebensätze & die Position des Verbs:

Hierbei handelt es sich um einen Fehler, der in Büchern glücklicherweise seltener vorkommt, da Lektoren meist ein gutes Gespür dafür entwickelt haben, aber im Alltag kann es häufig auftauchen: die falsche Position des Verbs. Oftmals fällt es im Sprachgebrauch kaum mehr auf, da so viele Menschen die Verben an beinahe beliebig erscheinende Positionen setzen und da der Inhalt verständlich ist, ist es meist müßig, diese Fehler zu korrigieren oder gar zu bemerken. Ob es beispielsweise  „Maria kommt heute später zur Arbeit, weil das Auto ist kaputt.“ oder „Maria kommt heute später zur Arbeit, weil das Autor kaputt ist“ heißt, ändert nichts an der Bedeutung des Satzes. Doch welche von beiden Version ist richtig und woher soll man das wissen? Antworten auf diese Fragen sollen die folgenden Erklärungen bieten:

In Hauptsätzen ist das Verb stets nah am Subjekt des Satzes. Beim Subjekt ist die Person gemeint, um die es in dem Satz geht, sprich die ausführende, handelnde, im Zentrum stehende Figur.

Beispiele: 

Maria ging fröhlich die Straße entlang.

Yussuf liest ein Buch in seinem Zimmer.

Die Unsicherheit in der Position des Verbes in Nebensätzen entsteht dadurch, dass der Gedanke nahe liegt, ein Nebensatz sei ähnlich wie ein Hauptsatz aufgebaut, und genau hier tappt man in eine Falle: Steht das Verb im Hauptsatz nahe beim Subjekt, steht es, bis auf wenige Ausnahmen, im Nebensatz am Ende des Satzes:

Er erschrak, als sie plötzlich ins Zimmer kam.

„Ich glaube nicht, dass du so mit mir reden solltest!“

„Wir haben den Zug verpasst, weil du zu spät bist!“

Da die deutsche Sprache aber nicht umsonst einen Ruf besitzt, nicht sehr leicht zu erlernen zu sein, gibt es auch hier Ausnahmen von dieser eigentlich sehr einfach zu merkenden Regel:

Ausnahme I: denn, aber, sondern

Bei diesen Konjunktionen befindet sich das Verb nahe am Akteur/Zentrum/Kern des Nebensatz. Dies ist in den folgenden Beispielen unterstrichen, während das Verb weiterhin fettgedruckt ist:

„Du redest Unsinn, denn auf dem Mond leben keine Menschen!

„Ich glaube dir eigentlich, aber ich habe noch Zweifel!“

Die Sonne umkreist nicht die Erde, sondern die Erde umkreist die Sonne.

 

Ausnahme II: deshalb, darum, deswegen, trotzdem

In diesen Fällen steht das Verb nah an der jeweiligen Konjunktion:

Im Matheunterricht weiß ich oft die Antwort nicht, deshalb rate ich ins Blaue hinein.

Alle Brötchen waren gerade ausverkauft, deshalb kaufte er sich ein Croissant.

Er war zwar nicht gut darin, trotzdem spielte er regelmäßig mit.

 

Test:  Korrekt oder falsch?

7. Manchmal verläuft er sich, wenn er geht heim.

8. Als Luise das Haus verließ, kam ihr ein Radfahrer entgegen.

9. Sie suchte ihre Schwester, deshalb sie nach ihr rief.

10. Markus‘ Augen taten weh, weil er zu lange vor dem Computer saß.

 

Präposition + Genitiv

Vielen von uns ist der Ausspruch bekannt, der Dativ sei dem Genitiv sein Tod — ein Auf-Der-Tafel-Kratzen für jeden, der Sprache liebt. Dennoch trifft er den Kern eines sich immer weiter ausbreitenden Problems: der Genitiv wird langsam immer mehr vom Dativ vertrieben und ehemals falsche Formulierungen werden Normalität, da sich genug Menschen an sie gewöhnen. Formulierungen wie „wegen dem Gesetz“, „trotz dem Regen“ oder „während dem Essen“ werden dann als gängig und richtig angesehen werden, obwohl jede dieser kurzen Wortkombinationen falsch ist. Je nachdem wie weit diese Fehler bereits in den Sprachschatz deiner Umgebung übergegangen sind, wird dir noch nicht einmal bei jedem sofort auf den ersten Blick bewusst gewesen sein, dass es sich um fehlerhafte Aussagen handelte.

Alle diese eben benutzten Präpositionen haben gemein, dass sie mit dem Genitiv gebildet werden. Es müsste also richtig lauten: wegen des Gesetzes, trotz des Regens und während des Essens. Hiermit reihen sie sich in die Liste der Präpositionen, die das Genitiv fordern und daher immer im Verbund erscheinen müssen. Hier ein kleiner Auszug dieser Liste: anstatt, laut, innerhalb, anstelle, anhand, aufgrund, um… willen, zugunsten, etc.

Test: Korrekt oder falsch?

11. Ich bin eigentlich nur wegen dem Sonderangebot in den Laden gekommen.

12. Angesichts den Verbrechen, die er begangen hat, erwartet ihn eine Gefängnisstrafe.

13. Um des Frieden willen, beschlossen sie, nicht mehr zu diskutieren.

 

Gang und gebe —> Gang und gäbe 

Ähnlich wie bei früheren Schreibttrainings entsteht bei diesen beiden Varianten dadurch eine Schwierigkeit, dass sie beide sehr ähnlich klingen. Glücklicherweise sind sie auf der Bedeutungsebene jedoch unterschiedlich genug, dass man sich nur einen kleinen Trick merken muss und nie wieder Probleme damit haben wird.

Während die erste Version in einem Satz wie „Ich stehe im Gang und gebe Autogramme“ Sinn ergibt, bezeichnet die zweite Version, dass eine Situation oder eine Aussage üblich beziehungsweise normal ist:

Es ist Gang und gäbe, sich zur Begrüßung die Hand zu reichen.

Um diese beiden nicht mehr durcheinander zu würfeln, muss man sich nur fragen, ob in dem Moment wirklich etwas gegeben, sprich gereicht, wird oder ob man sich darauf bezieht, dass nichts Außergewöhnliches vor sich geht.

Test: Gang und gebe oder Gang und gäbe?

14. „Natürlich lassen wir die Leute erst aus den Bussen aussteigen. Das ist ____ und _____ hier.“

15. Ich mag es nicht, laut im Zug zu telefonieren— so ______ und ____ es sein mag.

16. „Manchmal setze ich mich in den ______ und ____ mich damit zufrieden, noch etwas auf den Arzt warten zu müssen.“

 

 

BONUS: Gedankenstrich

Gerade AutorInnen, die noch etwas unsicher im Umgang mit der Vielseitigkeit der deutschen Sprache sind, fällt es schwer, sich zu entscheiden, ob und wann man einen Gedankenstrich benutzen kann. Diese Unsicherheit führt dann dazu, dass man am ehesten direkt darauf verzichtet, denn das ist die Besonderheit bei einem Gedankenstrich: man muss ihn nicht setzen. Kann ein Text qualitativ hochwertig sein, ohne Gedankenstriche? Sicher. Trotzdem sollte es kein Zustand sein, nur aufgrund fehlenden Wissens, sich nicht mit diesem rhetorischen Kniff zu befassen. Aber auch diejenigen, die sich an ihn herantrauen, sollten unbedingt wissen, wie man ihn richtig benutzt und wofür er eigentlich gedacht ist:

Zuerst sollte man sich bewusst werden, welche zwei Funktionen ein Gedankenstrich überhaupt hat:

1. Im Gegensatz zum Punkt oder Komma, die beide zu einer kurzen, minimalen Pause im Lesefluss einladen, ist die Pause bei einem Gedankenstrich deutlich und vor allem länger. Hierfür ein Beispiel, das besonders gut funktioniert, wenn man die Sätze jeweils laut vorliest:

Er hörte nicht auf ihren Rat, ein schlimmer Fehler.

Er hörte nicht auf ihren Rat — ein schlimmer Fehler.

2. Die zweite Funktion umfasst den doppelten Gedankenstrich, auch „Parenthesestrich“ genannt, bei dem es darum geht, mit zwei langen Strichen einen Satz mit einem Einschub zu versehen. Beispiel: Eines Morgens — das genaue Datum war ihr nicht bekannt — wachte sie übernächtigt auf ihrer Couch auf.

Die zwei Gedankenstriche haben die Aufgabe, dem Einschub noch mehr Raum zu gewähren, als es zum Beispiel Kommata könnten. Es geht hierbei also um die Betonung des Einschubs, da man beim Lesen sowohl vor als auch nach dem eingesetzten Teil eine längere Pause macht. Dies kann man aber natürlich nicht auf die Spitze treiben und häufig benutzen, sondern sollte — ebenso wie die erste Funktion — sparsam eingesetzt werden, um den Effekt nicht zu verwässern.

Insgesamt hat man als AutorIn mit einem solchen Strich ein kleines Steuerinstrument, mit dem man das Tempo der LeserInnen beeinflussen und so mehr Gewicht in die Aussage einfließen lassen kann. Ist die Aussage aber nicht besonders wichtig oder bedarf keiner Betonung, dann sollte man auch ruhig darauf verzichten, Gedankenstriche zu benutzen und LeserInnen unnötig zu beeinflussen. Das kann sonst auf Dauer negativ aufgefasst werden.

LÖSUNG

1. Hilf mir!

2. Laufen Sie nicht weg!

3. Streitet nicht!

4. Verdirb dir nicht den Magen!

5. Seid endlich still!

6. Lösen Sie diese Aufgabe!

7. Falsch

8. Korrekt

9. Falsch

10. Korrekt

11. Falsch

12. Falsch

13. Korrekt

14. Gang und gäbe

15. Gang und gäbe

16. Gang und gebe

Und? Wie viele Punkte hast du bei dem Test erreicht :)? Welche anderen Problemfelder der deutschen Sprache kennst du noch? Was soll ich noch behandeln:)? 

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