Das Thema „Kommasetzung“ bereitet vielen Menschen Probleme, da eine große Unsicherheit herrscht, wann man denn ein Komma setzen muss, wann man es kann und wann man es sogar weglassen darf. Hierzu gibt es eine ganze Reihe an Regeln, teilweise werden sogar Bücher damit gefüllt. Daher ist es verständlich, dass man nicht jede einzelne Regel davon ständig im Hinterkopf behalten oder auch durcheinander kommen kann.

Aus diesem Grund widmet sich diese Blogbeitrag einmal der Kommasetzung und begrenzt das nötige Wissen auf 8 Regeln, die mit Beispielen und Erklärungen angereichert werden. Zu Beginn des Beitrags wird jedoch erst einmal gezeigt, warum Kommasetzung wichtig ist, gefolgt von einer Erläuterung, warum das „Komma nach Gefühl“ problematisch sein kann, und im Anschluss beginnt das heutige Schreibtraining mit den Kommaregeln inklusive einiger Testfragen. Die Lösungen sind wieder ganz unten zu finden!

Viel Spaß!

Bedeutung eines Kommas

Am Anfang dieses Blogbeitrages sollen drei einfache Beispiele einmal kurz aufzeigen, welche gewichtige Bedeutung Kommata in unserer Sprache haben. Hierzu wurden Beispiele gewählt, die ihren Inhalt lediglich aufgrund des Kommas völlig verändern können. Dem wurden dann auch die Sätze ohne Komma gegenübergestellt, sodass die Wichtigkeit stärker hervortritt:

Wir essen gleich, Papa!“ vs. „Wir essen gleich Papa!

Sie versprach ihrer Mutter, einen Kuchen zu backen.“ vs. „Sie versprach, ihrer Mutter einen Kuchen zu backen.“

Ich will sie aber nicht!“ vs. „Ich will, sie aber nicht!

Erstaunlich, wie bedeutsam so ein kleiner Strich sein kann, oder?

Komma nach Gefühl

Anstatt die Regeln wirklich zu kennen oder sich ausgiebig mit ihnen beschäftigen zu müssen, hört man oft, dass man die Regeln nicht bräuchte, sondern alles gemäß des eigenen Sprachrhythmus oder schlicht „nach Gefühl“ machen könne. Dieser Vorgehensweise, insbesondere wenn man sie achtlos anderen Menschen empfiehlt, liegt jedoch eine große Gefahr zugrunde: das Komma-Gefühl beziehungsweise der Sprachrhythmus — hierunter speziell das Sprachtempo und Pausen — kann zu den gängigen Kommaregeln passen, MUSS es aber nicht. Nur wenn beides synchron zu eben jenen Regeln ist, werden alle Kommata richtig gesetzt. Täuscht einen das Gefühl aber oder man besitzt schlichtweg einen anderen Sprachrhythmus, wird man das Komma einerseits an falsche Stellen und andererseits wichtige/richtige Kommata überhaupt nicht setzen.

Bekommt man das dann in Form einer Korrektur aufgezeigt — sei es bei einem Korrektorat oder, schlimmer, von LeserInnen — vergrößert sich die eigene Unsicherheit automatisch und das wiederum beeinflusst das Komma-Gefühl derart, dass man entweder lieber zu viele Kommata setzt oder kaum mehr weiß, an welcher Stelle man überhaupt noch eines setzen kann. 

Aus diesem Grund sollte man mit dem Ratschlag, man müsse Kommata einfach nur nach Gefühl setzen oder man wie man spricht, sehr vorsichtig sein. Empfehlenswertet wäre es eher, sich mit den Kommaregeln zu beschäftigen, um dann feststellen zu können, dass sie gar nicht so kompliziert und schwer zu verstehen sind, wie man vorher vielleicht vermutet hatte.

Kommasetzung

1. Hauptsätze

Stehen zwei oder mehrere Hauptsätze hintereinander und sind nicht (!) durch eine Konjunktion miteinander verbunden (z.B. „und“/ „oder“), werden sie durch ein Komma getrennt.

Beispiele: 

Er ging fröhlich zur Schule, seine Hausaufgaben befanden sich daheim.

Ich bin kein Fan der Band, meine Freundin mag sie ein bisschen, mein bester Freund hasst sie.

Test:

1) John Irving schreibt an einem See seine Frau lässt ihm dabei viel Ruhe.

2) Der Hund bellte die Tür an der Postbote warf den Brief durch den Schlitz.

3) Ich weiß die Antwort nicht ich fische hier im Trüben.

2. Hauptsatz & Nebensatz 

Trifft ein Hauptsatz auf einen Nebensatz, wird ebenfalls mit einem Komma getrennt. Hierbei gilt jedoch zu beachten, dass es unterschiedliche Arten von Nebensätzen (Temporal-, Modal-, Konsekutiv-, Komparativ-, Lokal-, Konditional-, Final-, Relativ-, dass-Satz, ) gibt, deren schiere Anzahl verwirren mag, aber glücklicherweise funktionieren sie alle auf eine ähnliche Weise:  jede Variante wird mit einer Konjunktion eingeleitet. Bei einem Kausalsatz ist es z.B. das Wort „weil“, da man mit diesem Nebensatz einen Grund angibt, bei einem Konditionalsatz wäre es „wenn“, da nach einer Bedingung gesucht wird. 

Beispiele: 

Sie hatte keine Lust mehr, weil sie schon seit 3 Stunden mit der Überarbeitung beschäftigt war.

Wenn es aufhört zu regnen, mache ich einen schönen Spaziergang.

Die Lehrerin kam herein, als er durch die Klasse rannte.

Test:

4) Sie wusste nicht dass das ein Fehler sein würde.

5) Er hatte keine Erklärung warum sie das gemacht hat.

6) Wir haben beide völlig vergessen wo wir geparkt hatten.

7) Die Verantwortung lag so sehr auf ihren Schultern sodass sie eigentlich einknicken müsste.

8) Ich konnte nicht einschätzen wie schwer er verletzt war.

3. Aufzählungen

Eine Reihe von gleichrangigen Wörtern & Wortgruppen muss ein Komma stehen. „Gleichrangig“ bedeutet in diesem Fall, dass Wörter alle in gleichem Maße wichtig für die Aussage sind.

Hierfür ein Beispiel: „Ich mag Fußball, Basketball, Hockey und Ballett.

Alle diese Begriffe haben die gleiche Wertigkeit, besitzen also den selben Rang.

Anders kann es bei manchen Adjektiven aussehen, denn dort gibt es das Problem, dass zwei aufeinanderfolgende Adjektive nicht immer gleichrangig sein müssen, sondern eines wichtiger für den Satz bzw. das Nomen ist.

Hierfür zwei Beispiele, die das einmal verdeutlichen sollen:

Beispiel A: „Die jüngsten wirtschaftlichen Probleme.“ 

Beispiel B: „Die berühmte amerikanische Autorin.

In diesen Beispielen ist jeweils das Wort, das näher am Nomen ist, höher rangig, weil „wirtschaftliche Probleme “ und „amerikanische Autorin“ feste Konstrukte bilden, die durch das Wort davor noch erweitert werden. Das bedeutet, dass „jüngsten“ und „berühmte“ einen niedrigere Wertigkeit für den Satz besitzen und daher setzt man kein Komma.

Diese Erklärung ist durchaus komplex und mag auf den ersten Blick verwirrend erscheinen, daher hier noch ein sehr einfacher Trick, wie man die Gleichrangigkeit von zwei Adjektiven überprüfen kann: ist es möglich, zwischen den Worten ein „und“ hinzuzufügen, sind die Adjektive gleichrangig und man muss ein Komma setzen. Ergibt ein „und“ aber keinen Sinn, lässt man das Komma weg. 

Beispiel: 

Die liebe, lustige Maria ist angekommen. 

—> Hier könnte man ein „und“ hinzufügen und der Satz wäre trotzdem noch sinnig. Bei dem Beispiel A & B (oben) hingegen nicht. Daher muss in diesem Beispiel ein Komma die zwei Adjektive trennen.

Test:

9) Sie spielten zusammen im Garten liefen einander hinterher lachten rauften und lagen dann zufrieden im Gras.

10) In der Schule mochte er wenige Fächer, einzig Deutsch Biologie Sport und Kunst gefielen ihm.

11) Die letzten tollen Ferien gehen mir nicht aus dem Kopf.

12) Rufus ist ein treuer intelligenter Hund.

4. Anreden, Ausrufe

Wenn eine Person direkt angesprochen wird, benutzt man ein Komma. Gleiches gilt für Ausrufe, die ein Gefühl ausdrücken.

Beispiele: 

„Franz, ich habe keine Lust mehr!“

„Verdammt, wieso habe ich das vergessen?“

„Oh, du wusstest das nicht, Maria?“

Test:

13) „Sag mal Markus was stimmt nicht mit dir?“

14) „Huch mir ist die Tasse heruntergefallen!“

15) „Was denkst du Julia?“

5. Infinitivgruppen mit „zu“

Eine der größten Fehlerquellen in Bezug auf die Kommasetzung bilden die Infinitive mit „zu“. Hier gibt es drei Dinge, die man sich merken sollte:

1. Wenn sie mit „(an)statt“, „um“, „ohne“, „außer“, „als“ eingeleitet werden, muss immer ein Komma stehen.

Beispiele:

„Hattest du nicht etwas Anderes geplant, als spontan nach Ibiza zu fliegen?“

Sie musste diesen Zug erwischen, um noch pünktlich zu sein.

Er mochte eigentlich alle Spieler des Vereins, außer den langen Wuschelkopf.

2. Ebenfalls steht ein Komma, wenn die Wortgruppe aufgegriffen oder angekündigt wurde. Das mag verworren klingen, sollte aber durch zwei Beispiele klarer werden:

Angekündigt:

Es ist traurig, sie so leiden zu sehen.

—> Hier beschreibt die Infinitivgruppe mit zu das „Es“ näher.

Aufgenommen:

Ihm noch eine Chance zu geben, das konnte sie sich nicht vorstellen.

Noch einmal jung zu sein, würde ihm eine Menge bedeuten. 

—>  In diesen Beispielen steht der Infinitiv-Satz zuerst und wird dann thematisch nach dem Komma erneut aufgegriffen.

3. Hängen die Infinitivgruppen von einem Nomen ab, wird ebenfalls ein Komma benutzt. Im folgenden Beispiel ist das Nomen einmal unterstrichen:

Die Idee, eine Mauer an einer Landesgrenze zu bauen, ist selten dämlich.

„Hast du die Absicht, mir auf den Geist zu gehen?“

„Woher kommt der Auftrag, das Paket dort abzustellen?“

AUSNAHME: 

Wird allerdings nur ein „zu“+Verb benutzt, kann ein Komma stehen, muss aber nicht:

Sein Traum zu schreiben war stark. 

Ich habe keine Lust zu verreisen.

Test:

16) „Es macht mich glücklich dich so strahlen zu sehen.“

17) „Anstatt nur zu faulenzen könntest du auch einfach helfen!“

18) „Ich habe keine Lust morgen wieder zur Arbeit zu gehen!“

19) Ihn zu ignorieren war ihr gutes Recht.

20) Ich lese so viel um mich selbst auf Reisen zu schicken.

21) Der Vorschlag mal wieder ins Theater zu gehen, gefällt mir gut!

6. Einschübe/Nachgestellte Erläuterungen 

Einschübe werden ebenso wie nachgestellte Erläuterungen vom Rest des Satzes abgetrennt. Wie das in der Praxis aussehen kann, wird durch diese Beispiele deutlich:

Einschübe:  

Murat, mein guter alter Nachbar, steht auf dem Balkon.

„Du hast mal wieder, wie vorher geahnt, den Hochzeitstag vergessen!“

„Fridolin? Den hab ich gestern, das müsste so gegen Mittag gewesen sein, noch gesehen.“

Das ist, glaube ich, schlicht gelogen!

Nachgestellte Erläuterungen: 

Da vorne läuft Frau Meier, Schulleiterin des Anne-Frank-Gymnasiums.

Er mochte alle Gemüsearten, besonders Paprika und Kartoffeln.

Heinz hatte kein Geld mehr, abgesehen von den 20 Cent in seiner Hosentasche.

Wohnungs- & Datumsangaben:

Diese Kategorie kann man als Untergruppe der Zuvorgenannten sehen, da sie Zusatzinformationen bieten und das entweder mittels eines Einschubs oder einer nachgestellten Erläuterung. In beiden Fällen muss man auch hier ein Komma setzen:

Wir treffen uns nächste Woche, den 17. April.

Ich wohne ganz in der Nähe, in der Ruprechtstraße.

Morgen, am 12. Mai, ist mein Geburtstag.

Test:

22) Sie mochte viele Farben insbesondere rot und blau.

23) „Erneut hast du trotz meiner deutlichen Warnung nicht gehört!“

24) „Das dürfte schätze ich um die 50 Euro kosten.“

7. Partizipialgruppen

Hier ist normalerweise kein Komma nötig, man kann es aber setzen:

Sich laut unterhaltend (,) stiegen die beiden Frauen in den Bus.

Über den Witz lachend (,) schüttelte er sich und klopfte sich auf den Oberschenkel.

Einzige Ausnahme: es handelt sich um einen Einschub. Dann gelten die Regeln wie oben erläutert.

Markus, eine Mütze tragend, fühlte sich vom Wind gut geschützt.

Test:

25) Den Weg entlang laufend keuchte er schwer.

26) Maria mit ihrer Hand vor seinen Augen wedelnd wollte Aufmerksamkeit.

27) Angst habend zog er die Decke über den Kopf.

8. Wörtliche Rede

Nach der wörtlichen Rede setzt man immer ein Komma, wenn der Satz danach noch fortgeführt wird. Wichtig hierbei: Während ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen erlaubt sind, darf kein Punkt am Ende der wörtlichen Rede stehen, wenn der Satz noch weitergeht. 

Beispiele:

„Woher hätte ich das wissen sollen?“, fragte er.

„Ich glaube dir nicht“, sagte sie.

„Hau endlich ab!“, riefen die Leute.

NICHT:

„Ich darf einen Punkt am Ende der wörtlichen Rede machen.“, sagte er.

Test:

28) „Das kann nicht dein Ernst sein!“, rief Frank

29) „Was können wir machen?“, fragte sie

30) „Ich werde darüber nachdenken“, sagte Tanja.

LÖSUNG 

1) John Irving schreibt an einem See, seine Frau lässt ihm dabei viel Ruhe.

2) Der Hund bellte die Tür an, der Postbote warf den Brief durch den Schlitz.

3) Ich weiß die Antwort nicht, ich fische hier im Trüben.

4) Sie wusste nicht, dass das ein Fehler sein würde.

5) Er hatte keine Erklärung, warum sie das gemacht hat.

6) Wir haben beide völlig vergessen, wo wir geparkt hatten.

7) Die Verantwortung lag so sehr auf ihren Schultern, sodass sie eigentlich einknicken müsste.

8) Ich konnte nicht einschätzen, wie schwer er verletzt war.

9) Sie spielten zusammen im Garten, liefen einander hinterher, lachten, rauften und lagen dann zufrieden im Gras.

10) In der Schule mochte er wenige Fächer, einzig Deutsch, Biologie, Sport und Kunst gefielen ihm.

11) Die letzten tollen Ferien gehen mir nicht aus dem Kopf.

12) Rufus ist ein treuer, intelligenter Hund.

13) „Sag mal, Markus, was stimmt nicht mit dir?“

14) „Huch, mir ist die Tasse heruntergefallen!“

15) „Was denkst du, Julia?“

16) „Es macht mich glücklich, dich so strahlen zu sehen.“

17) „Anstatt nur zu faulenzen, könntest du auch einfach helfen!“

18) Ich habe keine Lust, morgen wieder zur Arbeit zu gehen!

19) Ihn zu ignorieren, war ihr gutes Recht.

20) Ich lese so viel, um mich selbst auf Reisen zu schicken.

21) Der Vorschlag, mal wieder ins Theater zu gehen, gefällt mir gut!

22) Sie mochte viele Farben, insbesondere rot und blau.

23) Erneut hast du, trotz meiner deutlichen Warnung, nicht gehört!

24) Das dürfte, schätze ich, um die 50 Euro kosten.

25) Den Weg entlang laufend (,) keuchte er schwer.

26) Maria, mit ihrer Hand vor seinen Augen wedelnd, wollte Aufmerksamkeit.

27) Angst habend(,) zog er die Decke über den Kopf.

28) „Das kann nicht dein Ernst sein!“, rief Frank

29) „Was können wir machen?“, fragte sie

30) „Ich werde darüber nachdenken“, sagte Tanja.

Und? Wie viele Punkte hast du bei dem Test erreicht :)? Welche anderen Problemfelder der deutschen Sprache kennst du noch? Was soll ich noch behandeln:)? 

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